Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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die  Stimme  durch  gewisse  Intervallen  zu  leiten
verändern  mußte.
In  der  Tragödie  war  der  Gesang  mannigfaltiger ¬
  und  weitläuftiger;  besonders  aber  in  den  Monologen, ¬
  denen  man  den  Namen  Lieder  gab.
Dieses  sind  gemeiniglich  die  leidenschaftlichsten
Scenen.  Denn  es  ist  natürlich,  daß  sich  dieselbige
Person,  die  sich  in  andern  Scenen  Gewalt  anthut,
dem  ganzen  Sturm  ihrer  Empfindungen  überläßt,
wenn  sie  ganz  allein  ist.  Eben  deswegen  ließen
die  römischen  Dichter  die  Monologen  von  Musikern ¬
  von  Profeßion,  in  Musik  sezen.  Bisweilen
überließen  sie  ihnen  auch  sogar  die  Komposition
der  Deklamation  des  übrigen  Stücks.  Nicht  so
die  Griechen.  Ihre  Dichter  waren  Tonkünstler,
und  sie  machten  diese  Arbeit  selbst.
In  den  Chören  war  endlich  der  Gesang  voller,
als  in  den  übrigen  Scenen.  Dies  waren  die  Stellen, =
  bey  denen  der  Flug  des  Dichtergenies  höher
war,  und  es  läßt  sich  gar  nicht  bezweifeln,  daß  der
Tonkünstler  nicht  seinem  Beyspiel  sollte  gefolgt  haben. =
  Diese  Vermuthungen  erhalten  durch  die  verschiedenen =
  Arten  von  Instrumenten,  mit  denen  man  die
Stimme  der  Akteurs  begleitete,  ihre  Bestätigung:
denn  sie  waren  nach  Maasgabe  des  Charakters
der  Wörter  kürzer  oder  länger.
Wir  können  uns  die  Chöre  der  Alten  nicht
Ihre
durch  die  Chöre  unsrer  Opern  vorstellen.
Musik  war  von  der  unsrigen  sehr  verschieden;  weil
sie  in  vielen  Stücken  die  Komposition  noch  nicht
genug  kannten;  und  ihre  Tänze  waren  vielleicht
noch  eigener,  als  daß  man  sie  mit  unsern  Balleten  ver¬
            
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