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Geburt wurde Timotheus durch ein Dekret der
Ephoren aus Sparta verbannt; weil er aus Verachtung ¬
der alten Musik, zur Leyer noch drey
Chorden hinzugefügt hatte, d. h. weil er die Leyer
zum Ausdruck mannigfaltigerer und weitläuftigerer =
Gesänge tauglich machen wollte. So gros
waren die Vorurtheile seiner Zeit. Wir haben
ihrer auch, und man wird ihrer auch nach uns
noch haben; ohne daß man es sich wird beyfallen
lassen, daß sie einmal für lächerlich erklärt werden =
dürften. Lulli, den wir heut zu Tage für
so simpel und natürlich halten, schien in seinem
Zeitalter übertrieben. Man sagte, er verderbe
durch seine Ballets den Tanz, und er verwandele
ihn ganz in Spas. „Es sind ohngefähr sechs
und zwanzig Jahre verflossen, sagt der Abbe du
Bos, daß die Gesänge, die in Frankreich komponirt ¬
wurden, durch die Bank weiter nichts, als
eine Reihe von langen Noten waren, und es sind
ohngefähr achtzig Jahre her, daß der Takt in den
Balletten eine langsame Bewegung / und daß ihr
Gesang, wenn man sich dieses Ausdrucks bedienen =
darf, selbst bey der größten Munterkeit ganz
gesezt einhergieng." Das war die Musik, woran
diejenigen hingen, die den Lulli tadelten.
§. 53. Die Musik ist eine Kunst, worüber jederman =
zu urtheilen Recht zu haben glaubt. Die
Zahl ungeschickter Richter muß hier folglich auch
sehr groß seyn. Ohne Zweifel giebt es in dieser
Kunst, wie in einer jeden andern, einen Punkt
der Vollkommenheit, von welchem man nicht abweichen =
darf. Dies ist ihr Prinzipium. Allein