Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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dabey  gebrauchten;  und  da  wird  sich  ergeben,  daß
sie  unter  der  unsrigen  steht.
§.  50.  Jch  muß  hier  die  Bemerkung  einstreuen,
daß  die  von  den  Wörtern  abgesonderte  Musik  bey
den  Griechen,  durch  ähnliche  Fortschritte  vorbereitet =
  wurde,  denen  die  Römer  die  Kunst  der  Pantomime ¬
  zu  verdanken  haben;  und  daß  diese  beyden
Künste  bey  ihrer  Entstehung,  bey  beyden  Völkern
dasselbige  Staunen,  und  dieselbigen  wunderbaren
Wirkungen  hervorgebracht  haben.  Diese  Gleichförmigkeit =
  scheint  mir  sonderbar,  und  zur  Bestätigung ¬
  meiner  Muthmaßung  dienlich  zu  seyn.
§.  51.  Jch  habe  eben,  zu  Folge  aller  Nachrichten, =
  die  uns  hierüber  geliefert  worden  sind,
gesagt,  daß  die  Griechen  eine  lebhaftere  Einbildungskraft ¬
  gehabt,  als  wir.  Ich  zweifele  aber,
daß  man  den  wahren  Grund  von  dieser  Verschiedenheit ¬
  gekannt.  Mir  kömmt  es  wenigstens  vor,
daß  man  ihn  mit  Unrecht  einzig  und  allein  im
Klima  sucht.  Wenn  man  voraussezt,  daß  Griechenlands ¬
  Klima  beständig  so  geblieben  ist,  wie  es
war:  so  mußte  die  Einbildungskraft  der  Einwohner ¬
  mit  nach  und  nach  schwächer  werden. ¬
  Ich  will  zeigen,  daß  dieses  eine  natürliche
Wirkung  der  Veränderungen  ist,  die  die  Sprache
leidet.
Ich  habe  oben  (Abschnitt  IV.  Kap.  2.  §.  21.)
angemerkt,  daß  die  Einbildungskraft  bey  Menschen, ¬
  die  noch  keinen  Gebrauch  willkührlicher  Zeichen ¬
  kennen,  weit  lebhafter  wirkt.  Da  nun  die
handelnde  Sprache  unmittelbar  das  Werk  einer
solchen  Einbildungskraft  ist:  so  muß  sie  nothwen¬
            
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