263
dabey gebrauchten; und da wird sich ergeben, daß
sie unter der unsrigen steht.
§. 50. Jch muß hier die Bemerkung einstreuen,
daß die von den Wörtern abgesonderte Musik bey
den Griechen, durch ähnliche Fortschritte vorbereitet =
wurde, denen die Römer die Kunst der Pantomime ¬
zu verdanken haben; und daß diese beyden
Künste bey ihrer Entstehung, bey beyden Völkern
dasselbige Staunen, und dieselbigen wunderbaren
Wirkungen hervorgebracht haben. Diese Gleichförmigkeit =
scheint mir sonderbar, und zur Bestätigung ¬
meiner Muthmaßung dienlich zu seyn.
§. 51. Jch habe eben, zu Folge aller Nachrichten, =
die uns hierüber geliefert worden sind,
gesagt, daß die Griechen eine lebhaftere Einbildungskraft ¬
gehabt, als wir. Ich zweifele aber,
daß man den wahren Grund von dieser Verschiedenheit ¬
gekannt. Mir kömmt es wenigstens vor,
daß man ihn mit Unrecht einzig und allein im
Klima sucht. Wenn man voraussezt, daß Griechenlands ¬
Klima beständig so geblieben ist, wie es
war: so mußte die Einbildungskraft der Einwohner ¬
mit nach und nach schwächer werden. ¬
Ich will zeigen, daß dieses eine natürliche
Wirkung der Veränderungen ist, die die Sprache
leidet.
Ich habe oben (Abschnitt IV. Kap. 2. §. 21.)
angemerkt, daß die Einbildungskraft bey Menschen, ¬
die noch keinen Gebrauch willkührlicher Zeichen ¬
kennen, weit lebhafter wirkt. Da nun die
handelnde Sprache unmittelbar das Werk einer
solchen Einbildungskraft ist: so muß sie nothwen¬