Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Wie  das  die  andern,  die  gar  nicht  würden  gerührt
worden  seyn,  sahen:  so  wurden  sie  es  auch.  Der
Effekt  dieser  Musik  wurde  der  Gegenstand  der  gesellschaftlichen =
  Unterredungen,  und  die  Imagination ¬
  wurde  schon  bey  der  bloßen  Erzehlung  davon
erhizt.  Jeder  wollte  aus  eigner  Erfahrung  davon
urtheilen;  und  da  es  die  Menschen  gemeiniglich
gerne  sehn,  daß  sich  außerordentliche  Dinge  bestätigen: =
  so  kamen  sie  mit  den  günstigsten  Dispositionen =
  zur  Anhörung  dieser  Musik;  die  folglich  dieselbigen =
  Wunder  mehrmals  verrichtete.
§.  48.  Unsre  heutige  Prosodie  und  Deklamation =
  taugen  zur  Vorbereitung  der  Wirkungen,  die
die  Musik  heivorbringen  müßte,  wenig.  Der  Gesang ¬
  ist  uns  nicht  eine  so  geläufige  Sprache,  wie
er  es  bey  den  Alten  war,  und  die  von  den  Wörtern ¬
  gesonderte  Musik  hat  nicht  mehr  den  Anstrich
der  Neuheit,  der  schon  allein  über  die  Imagination ¬
  viel  vermag.  Auch  behalten  wir  in  dem  Augenblick, =
  da  die  Musik  aufgeführt  wird,  alles
mögliche  kalte  Blut;  wir  kommen  dem  Tonkünstler ¬
  gar  nicht  zu  Hülfe,  um  uns  aus  dieser  Kälte
herauszusezen,  und  die  Empfindungen,  die  wir
dabey  haben,  entstehn  einzig  und  allein  aus  der
Wirkung  der  Töne  auf  das  Gehör.  Nun  aber
sind  die  Empfindungen  der  Seele  gewöhnlich  so
schwach,  wenn  die  Imagination  nicht  selbst  auf
die  Sinne  zurückwirkt,  daß  man  sich  gar  nicht
wundern  dürfte,  wenn  unsre  Musik  nicht  eben  so
wunderbare  Effekte  erzeugt,  als  die  Musik  der  Alten =
  hervorzubringen  pflegte.  Man  müßte,  um
von  ihrer  Kraft  urtheilen  zu  können,  gewisse  mu=
            
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