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Wie das die andern, die gar nicht würden gerührt
worden seyn, sahen: so wurden sie es auch. Der
Effekt dieser Musik wurde der Gegenstand der gesellschaftlichen =
Unterredungen, und die Imagination ¬
wurde schon bey der bloßen Erzehlung davon
erhizt. Jeder wollte aus eigner Erfahrung davon
urtheilen; und da es die Menschen gemeiniglich
gerne sehn, daß sich außerordentliche Dinge bestätigen: =
so kamen sie mit den günstigsten Dispositionen =
zur Anhörung dieser Musik; die folglich dieselbigen =
Wunder mehrmals verrichtete.
§. 48. Unsre heutige Prosodie und Deklamation =
taugen zur Vorbereitung der Wirkungen, die
die Musik heivorbringen müßte, wenig. Der Gesang ¬
ist uns nicht eine so geläufige Sprache, wie
er es bey den Alten war, und die von den Wörtern ¬
gesonderte Musik hat nicht mehr den Anstrich
der Neuheit, der schon allein über die Imagination ¬
viel vermag. Auch behalten wir in dem Augenblick, =
da die Musik aufgeführt wird, alles
mögliche kalte Blut; wir kommen dem Tonkünstler ¬
gar nicht zu Hülfe, um uns aus dieser Kälte
herauszusezen, und die Empfindungen, die wir
dabey haben, entstehn einzig und allein aus der
Wirkung der Töne auf das Gehör. Nun aber
sind die Empfindungen der Seele gewöhnlich so
schwach, wenn die Imagination nicht selbst auf
die Sinne zurückwirkt, daß man sich gar nicht
wundern dürfte, wenn unsre Musik nicht eben so
wunderbare Effekte erzeugt, als die Musik der Alten =
hervorzubringen pflegte. Man müßte, um
von ihrer Kraft urtheilen zu können, gewisse mu=