Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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tönenden  Körper,  wovon  sie  Theile  sind.  Das
Ohr  bestätigt  dieses  Räsonnement.  Denn  es  empfindet =
  die  Beziehung  der  Töne  ut,  mi,  sol,  ut,
leichter,  als  das  Verhältniß  der  Tone  ut,  re,  mi,
fa.  Folglich  sind  es  die  harmonischen  Intervallen, ¬
  die  man  zuerst  bemerkt  hat.
Auch  hier  giebt  es  Fortschritte,  worauf  man
merken  muß.  Denn  da  die  harmonischen  Töne
Intervallen  machen,  die  leichter  oder  schwerer
anzustimmen  sind;  und  da  sie  mehr  oder  weniger
bemerkbare  Beziehungen  haben:  so  läßt  sich  natürlicher ¬
  Weise  nicht  erwarten,  daß  die  einen  wie
die  andern  sogleich  sollten  gefaßt  und  wahrgenommen =
  worden  seyn.  Wahrscheinlich  ist  es  also,  daß
man  diese  Progreßion  ut,  m1,  sol,  ut  nur  erst  nach
vielen  Erfahrungen  erfand.  Wie  man  aber  diese
einmal  gefunden  hatte:  so  machte  man  nach  demselbigen =
  Modell  auch  andre,  z.  B.  sol,  si,  re,  sol.
Was  die  diatonische  Ordnung  betrift:  so  wurde
diese  nur  mit  nach  und  nach,  und  nach  vielem  Herumsuchen =
  entdeckt.  Denn  man  hat  ihre  Entstehungsart =
  erst  in  unsern  Zeiten  gezeigt  *).
§.  45.  Die  ersten  Fortschritte  dieser  Kunst  waren =
  demnach  die  Frucht  einer  langen  Erfahrung.
Man  hat  die  Grundsäze  derselben  vervielfältiget,
weil  man  die  wahren  Prinzipien  nicht  kannte.
Herr  Rameau  war  der  erste,  der  den  Ursprung
aller  Harmonie  in  der  Resonnanz  tönender  Körper
fand,  und  der  die  Theorie  dieser  Kunst  auf  ein
einziges  Prinziptum  zurückführte.  Die  Griechen,
*)  La  Generation  harmonique  de  Mr.  Rameau.
            
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