Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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fühlen  wir  auch  die  Kraft  der  Donnerkeile  des  Demosthenes =
  und  die  Harmonie  der  Perioden  des
Cicero  nur  ganz  dunkel.
Fünftes  Kapitel.
Von  der  Musik.
Ich  habe  bisher  voraussezen  müssen,  daß  die
Alten  die  Musik  gekannt  haben.  Es  wird  nöthig
seyn,  daß  ich  hier  eine  Geschichte  derselben  wenigstens =
  in  so  fern  mittheile,  in  so  fern  diese  Kunst
einen  Theil  der  Sprache  ausmacht.
§.  43.  Da  die  Prosodie,  beym  Ursprung  der
Sprache,  sehr  abwechselte:  so  waren  ihr  alle  Jnflexionen =
  der  Stimme  natürlich.  Der  Zufall
mußte  nothwendig  bisweilen  einige  Passagen  verden, ¬
  weil  ihnen  die  Grazie  der  Aussprache  mangelte? ¬
  Demosthenes  hatte  also  Recht,  daß  er  der
Aktion  den  ersten,  zweyten  und  dritten  Rang  gab.
Denn,  wenn  Beredsamkeit  ohne  dieses  Talent  nichts
ist,  und  wenn  die  Aktion  ohne  Beredsamkeit  so  viel
Kraft  und  Wirksamkeit  hat:  muß  man  denn  nicht  zugeben, =
  daß  sie  beym  öffentlichen  Vortrag  äußerst
wichtig  seyn  muß?.  Die  Art  der  Alten  zu  deklamiren ¬
  mußte  nothwendig  mehr  Nachdruck  haben,  als
die  unsrige;  weil  Demosthenes  und  Cicero,  die  in
den  andern  Theilen  groß  waren,  selbst  urtheilten,
ohne  Aktion  sey  Beredsamkeit  nichts.  Unsre  heutigen ¬
  Redner  würden  diesem  Urtheil  nicht  beytreten.
Der  Abbe  Collin  sagt:  die  Meynung  des  Demosthenes =
  sey  übertrieben.  Wäre  das  wahr,  warum
hat  sie  denn  Cicero,  ohne  eine  Einschränkung  zu
derselbenzuzufügen,  unterschrieben?
            
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