Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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die  Bewegungen  der  Gesichtsmuskeln  der  Pantomimisten ¬
  nicht  zu  Hülfe  kommen  konnten,  indem
sie,  wie  die  übrigen  Schauspieler  maskirt  waren:
so  läßt  sich  beurtheilen,  wie  lebhaft  ihre  Gesius,
und  wie  singend  folglich  die  Deklamation  der
Stücke,  von  welcher  sie  die  Gestus  entlehnten,
seyn  mußte.
§.  37.  Aus  der  Geschichte  des  Cicero  und  des
Roscius  lernen  wir,  wie  stark  der  Ausdruck  der
Gestus  schon  vor  der  Einführung  der  Pantomime
war.  Jener  sagte  eine  Periode,  die  er  eben  niedergeschrieben ¬
  hatte,  her,  und  dieser  drückte  den
Sinn  derselben,  durch  ein  stummes  Spiel  aus.
Wenn  Cicero  die  Wörter  oder  die  Wendung  wieder ¬
  veränderte:  so  daß  der  Sinn  dadurch  nicht
verloren  gieng:  so  drückte  dies  Roscius  gleichfalls ¬
  durch  neue  Gestus  aus.  Nun  frag'  ich:  ob
wohl  dergleichen  Gestus  mit  einer  so  simplen  Deklamation, ¬
  wie  die  unsrige  ist,  je  hätten  verbunden ¬
  werden  können?
§.  38.  Die  Pantomime  gefiel  den  Römern
gleich  bey  ihrer  Entstehung;  sie  gieng  von  der
Hauptstadt  in  die  entlegensten  Probinzen  aus,  und
sie  erhielt  sich  so  lang,  wie  das  römische  Reich.
Man  weinte  bey  den  Pantomimen,  wie  bey  andern =
  Schauspielen.  Sie  gesielen  sogar  besser,  als
die  leztern;  weil  die  Einbildungskraft  durch  eine
Sprache,  die  ganz  Handlung  ist,  weit  lebhafter
gerührt  wird.  Die  Liebe  für  diese  Art  von  Schauspiel =
  wurde  am  Ende  so  groß,  daß  sich  der  Senat
genöthigt  sah,  den  Senatoren,  in  einem  eignen
Gesez,  die  Besuchung  der  Schulen  der  Pantomi¬
            
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