ihren Ungehorsam hat sich das alles geändert. Gott
hat ihr diese Herrschaft genommen. Sie ist von
den Sinnen so abhängig geworden, als wenn diese
die physischen Ursachen von dem wären, was sie blos
veranlassen; und ausser den Kenntnissen, die sie
ihr zuführen, hat sie gar keine andre. Davon rührt
die Unwissenheit, und die böse Lust her. Diesen
Zustand der Seele will ich studiren. Er ist es allein
der das Objekt der Philosophie seyn kann; weil er
es allein ist, den uns die Erfahrung kennen lehrt.
Wenn ich also behaupten werde, daß wir keine
Ideen haben, die uns nicht durch die Sinne zugeführt ¬
werden: so muß man das blos vom Zustand =
verstehn, in dem wir uns seit dem Fall befinden. ¬
Dieser Saz würde ganz falsch seyn, wenn
man ihn auf die Seele im Stand der Unschuld, oder
in ihrem Zustand nach ihrer Trennung vom Körper,
anwenden wollte. Von den Kenntnissen der Seele
in diesen beiden Zuständen handle ich deswegen
nicht; weil ich nicht aus Erfahrung über sie räsonniren
kann. Wenn uns übrigens, woran denn nicht gezweifelt ¬
werden kann, an der Kenntniß derjenigen
Kräfte viel gelegen ist, deren Gebrauch uns Gott,
ohngeachtet des Falls unsrer ersten Eltern, erhalten
hat: so ist es dagegen auf der andern Seite unnüz, ¬
wenn man die übrigen Kräfte errathen will,
die er uns abgenommen hat, und die er uns erst
nach dem Tod wieder mittheilen wird.
Ich schränke mich demnach blos auf den gegenwärtigen ¬
Zustand ein. Daher werde ich die Seele
nicht als vom Körper unabhängig beteachten; weil