Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

235.
Intervallen  auf  einander.  Das  Projekt,  sie  zu
notiren,  ist  folglich  unthulich.
§.  23.  Es  ist  wahr,  die  Fundamentalfolge
mittelst  einer  Terzie  giebt  einen  kleinen  Halbenton,
der  um  einen  Viertelton  höher  ist,  als  der  Halbton ¬
  der  Maior.  Allein  sie  findet  nur  bey  Abänderungen ¬
  der  musikalischen  Arten  statt.  Es  kann
folglich  nie  eine  Skale  von  Vierteltönen  daraus
entstehn.  Uebrigens  ist  dieser  kleine  Halbton  nicht
natürlich,  und  das  Ohr  kann  ihn  so  wenig  fassen,
daß  man  ihn  auf  dem  Klavier  vom  großen  Halbton =
  gar  nicht  unterscheidet;  denn  man  greift  ihn
Die  Alten  kannten  sehr
auf  dieselbige  Art  *).
wahrscheinlich  die  Verschiedenheit  dieser  beyden
Halbtöne.  Aus  diesem  Grund  haben  der  Abbe
Du  Bos  und  andre  geglaubt,  daß  sie  ihre  Skale
in  Vierteltöne  abgetheilt  hätten.
§.  24.  Aus  der  Choreographie,  oder  aus  der
Kunst  die  Pas  und  die  Figuren  eines  Ballets  mit
Noten  zu  schreiben,  kann  hierwider  keine  Induktion ¬
  genommen  werden.  Feuillee  hatte  blos
Zeichen  zu  erfinden;  denn  alle  Schritte  und  alle
Bewegungen,  wenigstens  diejenigen,  die  er  hat
notiren  können,  sind  beym  Tanz  sehr  leicht  zu  fassen. =
  Das  sind  hingegen  bey  unsrer  Deklamation
die  meisten  Töne  nicht;  sie  sind  eben  so  beschaffen,
wie  gewisse  Ausdrücke  im  Ballet,  die  die  Choreographie =
  gar  nicht  schreiben  lehrt.
*)  Man  sehe  in  der  Generation  harmonique  das
24ste  Kapitel,  Art.  1;  wenn  man  sich  belehren  will,
wie  künstlich  die  Stimme  zum  kleinen  Halbton
übergeht.
            
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