Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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deren  Prinzipien  man  nicht  kennt!  Man  könnte
diese  Stelle  mit  Recht  von  Anfang  bis  zu  Ende
kritisiren.  Ich  habe  sie  hier  ganz  angeführt,  damit ¬
  man  aus  den  Irrthümern  eines  sonst  so  vortreflichen ¬
  Schriftstellers,  wie  Du  Bos  ist,  lernen
möge,  daß  wir  allemal  Gefahr  laufen,  uns  in
unsern  Muthmaßungen  zu  irren,  wenn  wir  unbestimmte =
  Begriffe  zum  Grund  legen.
Keiner,  der  die  Entstehungsart  der  Töne,  und
die  künstliche  Art,  wie  die  Intonation  derselben
uns  natürlich  wird,  kennt,  wird  je  annehmen,  man
könne  sie  in  Vierteltöne  abtheilen,  und  das  ut  re
u.  s.  w.  derselben  könne  einem  so  bald  geläufig
werden,  wie  die  Modulationszeichen  in  der  Musik.
Die  Musiker,  auf  welche  sich  Du  Bos  beruft,
konnten  sehr  vortrefliche  Praktiker  seyn,  es  scheint
aber,  daß  sie  die  Kunst,  deren  wahre  Prinzipien
Herr  Rameau  zuerst  festgesezt  hat:  gar  nicht  gekannt =
  haben.
§.  22.  Es  ist  in  der  Entstehungsart  der  Harmonie =
  bewiesen;  1)  daß  man  einen  Ton  nur  in  so
fern  schäzen  kann,  in  so  fern  er  hinlänglich  genug
ausgehalten  wird,  um  seine  Harmonie  verständlich =
  zu  machen.  2)  Daß  die  Stimme  nach  einander ¬
  nicht  mehrere  Töne  anstimmen  kann,  die  bestimmte =
  Intervalle  unter  einander  ausmachen;
wofern  sie  nicht  durch  einen  Fundamentalbaß  geleitet =
  wird.  3)  Daß  es  keinen  Fundamentalbaß
giebt,  der  eine  Folge  von  Vierteltönen  geben  könnte. =
  Nun  aber  werden  die  Töne  bey  unsrer  Deklamation =
  größtentheils  nur  wenig  ausgehalten.  Sie
folgen  in  Vierteltönen  oder  auch  in  noch  kleinern
            
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