233
dabey alle Arten von Tönen; man macht ordentliche =
Progreßionen, sowohl durch Erhebung, als
durch Nachlassung der Stimme, durch alle mögliche ¬
Intervalle. Die notirte Deklamation würde ¬
nichts anders seyn, als mit Noten geschriebene
Töne und Bewegungen der Aussprache. Die
Schwierigkeit in der Aussprache einer solchen Note
würde zuverläßig nicht an die Schwierigkeit reichen, ¬
mit welcher man auf einmal Wörter weglieset, =
die man noch nie gelesen hat, und mit welcher ¬
man diese Wörter singt, und sie mit dem
Klavier, nach Maaßgabe der Noten begleitet, die
man nicht studirt hat. Und doch lernen auch sogar ¬
Frauenzimmer durch Uebung diese drey Operationen ¬
zu derselbigen Zeit verrichten.
„Was das Schreiben der Deklamation in
Noten betrift, es mag nun nach der Art, die wir
angezeigt haben, oder nach einer andern Art geschehn: =
so würde man es eben so leicht auf gewisse
Regeln zurückbringen und die Methode desselben
in der Praxis ausführen können; so leicht die Erfindung =
war, daß man die Schritte und Figuren
eines von acht Personen aufgeführten Ballets mit
Noten schrieb, besonders, wenn die Schritte so
sehr verschieden, und die Figuren so sehr verflochten =
waren, wie sie heut zu Tage wirklich beschaffen =
sind. Feuillee hat indessen diese Kunst zu
Stand gebracht, und seine Note lehrt die Tänzer
so gar, wie sie ihre Arme führen sollen.
§. 21. Ein sehr einleuchtendes Beyspiel, wie
man in Jrrthümer und schwankende Räsonnements
verfallen muß, wenn man von einer Kunst redet,