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tion ein wirklicher Gesang war. Daß wir den
Gesang für so wenig natürlich halten, rührt nicht
davon her, daß die Töne in demselben nach den
Verhältnissen auf einander folgen, die die Harmonie ¬
erfordert, sondern davon, daß uns die allerschwächsten =
Jnflexionen gewöhnlich zum Ausdruck =
unsrer Gedanken zuzureichen scheinen. Nationen, =
die gewohnt sind, ihre Stimme durch
sehr bemerkbare Abfälle zu beugen, würden unsre
Aussprache für todte Monotonie halten; da hingegen, ¬
nach ihrem Bedünken, ein Gesang, der
diese Abfälle nur in so fern modifizirte, in so fern
die Modifikation zur Fassung der Töne erforderlich
ist, den Nachdruck der Rede verstärken, und ihnen =
gar nicht außerordentlich vorkommen würde.
§. 19. Aus Mangel der Kenntniß des Charakters =
der Aussprache der griechischen und der lateinischen =
Sprache hat man oft Mühe gehabt, die
Nachrichten der Alten von ihren Schauspielen zu
verstehn. Hier ist ein Beyspiel:
„Wofern die Tragsdie, sagt ein Kommenta,
tor über den Aristoteles, ohne Verse möglich ist:
so kann sie um so mehr ohne Musik statt finden.
Man muß so gar eingestehn, daß wir nicht gut
begreifen können, wie die Musik je gewissermaaßen
als ein Theil des Trauerspiels hat angesehn werden ¬
können. Denn wenn irgend etwas in der
Welt einer tragischen Handlung zuwider seyn kann:
so ist es der Gesang. Die Erfinder der musikalischen
Trauerspiele mögen mir dieses verzeihen; diese Art
von Gedichten ist eben so lächerlich, als sie neu ist,