Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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treten  möchte,  sieg  sie  bald,  durch  sehr  merkliche
Zwischenräume,  bald  fiel  sie  wieder  herab.
Diese  Sprachen  folgten  nicht  ganz  plözlich
aufeinander.  Lange  waren  sie  mit  einander  vermischt, ¬
  und  die  Wortsprache  erhielt  nur  spät  das
Uebergewicht.  Nun  kann  ja  jedermann  an  sich
selbst  bemerken,  daß  es  der  Stimme  natürlich  ist,
ihre  Inflexionen  in  eben  dem  Verhältniß  zu  verändern, ¬
  in  welchem  die  Gestus  abwechseln.  Viele
andre  Gründe  bestätigen  noch  außerdem  meine
Vermuthung.
Erstlich:  wie  die  ersten  Menschen  anfiengen,
Töne  zu  artikuliren,  konnten  sie  es  wegen  der
Roheit  ihrer  Organen  nicht  mittelst  so  schwacher
Beugungen  der  Stimme  verrichten,  als  die  unsrigen ¬
  sind.
Zweytens  können  wir  die  Nothwendigkeit  der
Jnflexionen  auch  daraus  abnehmen,  daß  wir  einen =
  andern,  der  uns  immer  in  demselbigen  Ton
etwas  vorlieset,  kaum  verstehn  können.  Wenn
wir  mit  einer  ganz  schwachen  Veränderung  der
Stimme  genug  haben,  so  liegt  der  Grund  darinnen, =
  daß  sich  unser  Verstand,  durch  die  große  Anzahl ¬
  von  erlangten  Ideen  und  durch  die  Fertigkeit, ¬
  sie  an  Töne  zu  knüpfen  schon  sehr  geübt  hat.
Dieses  fand  sich  aber  bey  denen  Menschen  nicht,
die  zum  erstenmal  den  Gebrauch  der  Wortsprache
überkamen.  Ihre  Seele  lag  wahrscheinlich  noch
in  einer  dicken  Finsterniß  eingehüllet;  die  Notionen, ¬
  die  einem  heut  zu  Tage  am  geläufigsten  sind,
waren  ihnen  alle  neu.  Sie  konnten  einander  also
            
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