Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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nen  wir  Beyspiele  von  Reden  finden,  die  durch  Handlungen =
  ausgedruckt  werden.  Das  profane  Alterthum =
  ist  voll  von  dergleichen  Beyspielen.
Auf  diese  Weise  redeten  die  ersten  Orakel,  wie  uns
ein  alter  Schriftsteller  Heraklit  berichtet:  der  König, =
  dessen  Orakel  zu  Delph  ist,  redet  weder,  noch
schweigt  er,  sondern  er  drückt  sich  durch  Zeichen
aus.  Ein  gewisser  Beweis,  daß  die  Substitution =
  der  Handlungen  für  die  Wörter  im  Alterthum
eine  gewöhnliche  Art  war,  wie  man  seine  Gedanken ¬
  zu  erkennen  gab.
§.  10.  Es  scheint  fast,  als  wenn  diese  Sprache =
  vorzüglich  zum  Unterricht  des  Volks  in  solchen ¬
  Dingen  gebraucht  worden,  die  dasselbe  mehr
intereßirten;  z.  B.  von  Politik  und  Religion.
Denn  da  hiedurch  etwas  lebhafter  auf  die  Einbildungskraft =
  gewirkt  wurde:  so  war  auch  der  Eindruck =
  dauerhafter.  Der  Ausdruck  in  dieser  Sprache =
  hatte  auch  etwas  starkes  und  großes,  woran
die  noch  armen  Sprachen  gar  nicht  reichen  konnten. =
  Die  Alten  nennten  diese  Sprache  den  Tanz.
Darum  wird  auch  gesagt:  David  habe  vor  der
Bundeslade  getanzt.
§.  11.  Sobald  die  Menschen  ihren  Geschmack
vervollkommneten,  brachten  sie  in  diesen  Tanz
mehr  Verschiedenheit,  mehr  Grazie  und  Ausdruck.
Man  unterwarf  nicht  blos  die  Bewegungen  der
Arme,  und  die  Attituden  des  Körpers  gewissen
Regeln;  sondern  man  zeichnete  auch  die  Schritte
für  die  Füße  ab.  Dadurch  theilte  sich  der  Tanz
natürlicher  Weise  in  ein  Paar  Künste,  die  ihm
untergeordnet  waren.  Die  eine  war  der  Tanz  der
            
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