Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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er  sich  noch  keinen  Grund  angeben  konnte,  litte  er
selbst  beym  Anblick  der  Leiden  dieses  Unglücklichen.
Von  diesem  Augenblick  an  fühlt  er  sich  gedrungen,
dem  Leidenden  zu  helfen,  und  er  folgt  diesem  Eindruck, =
  so  viel  nämlich  dabey  in  seiner  Gewalt  steht.
Diese  beyden  Menschen  baten  einander  demnach,
durch  den  bloßen  Jnstinkt,  um  Hülfe,  und  sie  leisteten =
  einander,  aus  bloßem  Jnstinkt  Hülfe.  Jch
sage,  aus  bloßem  Instinkt;  denn  die  Reslexion
konnte  noch  keinen  Theil  daran  nehmen.  Der  eine
sagte  nicht  zu  sich  selbst:  „Ich  muß  mich  so  anstellen, ¬
  um  dem  andern  meine  Bedürfnisse  zu  erkennen ¬
  zu  geben,  und  um  ihn  zu  bewegen,  daß  er
mir  zu  Hülfe  komme;  und  der  Andre  sagte  auch
nicht:  „Ich  sehe  an  seinen  Bewegungen,  daß  er
dieses  oder  jenes  haben  will;  ich  will  ihm  dazu
verhelfen;"  sondern  beyde  handelten  aus  Bedürfniß, =
  welches  sie  drängte.
§.  3.  Nicht  oft  konnten  indessen  dieselbigen
Umstände  wieder  kommen,  daß  diese  Menschen  sich
nicht  endlich  gewöhnen  sollten,  Leidenschaften  mit
den  Lauten,  und  mit  den  verschiedenen  Bewegungen =
  des  Körpers,  Perzeptionen  zu  verbinden,  die
durch  sie  auf  eine  so  deutliche  Art  ausgedruckt
wurden.  Je  mehr  sie  sich  mit  diesen  Zeichen  bekannt ¬
  machten,  desto  mehr  waren  sie  im  Stand,
sie  sich  nach  ihrem  Belieben  wieder  zurückzurufen.
Sie  fiengen  an,  ihr  Gedächtniß  einigermaßen  zu
üben;  sie  konnten  über  ihre  Einbildungskraft
eigenmächtig  gebieten,  und  unvermerkt  fiengen  sie
an,  das  mit  Reflexion  zu  verrichten,  was  sie  nur
            
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