Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Retina  vereinigen);  gewiß  ist  es,  daß  die  empfindlichen =
  Fibern  der  Retina  höchst  verschiedentlich
bewegt  und  erschüttert  werden;  daß  sich  diese  Erschütterung =
  andern  noch  feinern  Theilen  im  Gehirn ¬
  mittheilt,  deren  Beschaffenheit  weit  wunderbarer =
  seyn  muß.  Endlich  drücken  auch  die  Muskeln,
die  zur  Richtung  der  Angen  nach  den  Gegenständen,
die  man  betrachten  will,  dienen,  den  Globus  des
Auges  zusammen,  und  durch  diesen  Druck  wird  die
Form  desselben  auch  mehr  oder  weniger  verändert.
Das  Auge  und  alle  seine  Theile  müssen  sich
nicht  blos,  mit  einer  Geschwindigkeit,  die  sich  kaum
gedenken  läßt,  nach  allen  diesen  Bewegungen,  nach
allen  diesen  Formen,  und  nach  tausend  andern
Veränderungen,  die  wir  nicht  kennen,  richten;
sondern  alle  diese  Revolutionen  müssen  auch  in
einer  vollkommenen  Harmonie  vorgehn,  damit
alles  zur  Erzeugung  desselbigen  Effekts  mitwirken
möge.  Wäre  z.  B.  die  Hornhaut  in  Rücksicht
auf  die  Lage  und  Form  der  übrigen  Theile  des
Auges  zu  sehr,  oder  zu  wenig  konvex:  so  würden
uns  alle  Gegenstände  konfus  und  verdreht  erscheinen, =
  und  wir  würden  nicht  unterscheiden  können,
ob  dasjenige,  was  unsre  Hände  als  aufwärts,  oder
als  unterwärts  gestellt  fühlten,  auch  wirklich  aufwärts =
  oder  unterwärts  stehe?  Man  kann  sich  davon
überzeugen,  wenn  man  eine  Brille  nimmt,  deren
Form  mit  der  Form  des  Auges  nicht  zusammenstimt.
Wenn  sich  nun  die  verschiedenen  Theile  des
Auges,  um  sich  nach  der  Wirkung  des  Lichts  zu
*)Oder  auf  der  Choroide;  denn  man  weiß  nicht  genau,
ob  die  Impreßion  des  Lichts  mittelst  der  Fibern  der
Retina  oder  der  Choroide  der  Seele  überliefert  wird.
            
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