§. 5. Folglich sind die Sensationen und die
Operationen der Seele die Materialien zu allen unsern ¬
Kenntnissen, die die Reflexion zu verbrauchen
sucht, indem sie, durch allerhand Kombinationen,
die in ihnen enthaltenen Verhältnisse aufsucht. Der
glückliche Erfolg dieser Geistesarbeit hängt ganz von
den Umständen ab, unter welchen sie vorgenomnen
wird. Am glücklichsten sind diese Umstände, wenn
sie uns eine sehr große Anzahl von Gegenständen
darbieten, an welchen sich unsre Reflexion üben
kann. So sind z. B. die rerkwürdigen Umstände,
unter welchen sich diejenige befinden, die zur Regierung ¬
der Völker ausersehn sind, eine Gelegenheit
zur Bildung weitaussehender Plane, und die Umstände, ¬
die sich in der großen Welt unaufhörlich von
Neuem ereignen, verhelfen zu der Art von Verstandeskräften, ¬
die man die natürlichen zu nennen pflegt,
weil sie nicht das Werk der Wissenschaften sind, und
man folglich auch die Ursachen, wodurch sie hervorgebracht =
werden, nicht bemerkt. Hieraus ziehn wir
den Schluß; daß es gar keine Begriffe giebt, die
nicht erworbene Ideen wären. Die ersteren erlangen ¬
wir unmittelbar durch die Sinne; die übrigen
haben wir der Erfahrung zu danken, und diese vermehren ¬
sich in eben dem Verhältniß, in welchem
man zum Reflektiren geschickter ist.
§. 6. Die Seele ist, durch die Erbsünde, vom
Körper so abhängig geworden, daß viele Weltweisen ¬
diese beiden Substanzen mit einander verwechselt
haben. Sie haben geglaubt, die Seele sey weiter nichts,
als der zarteste, feinste und beweglichste Theil des