Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Bedürfnissen  und  zur  Erhaltung  unsers=Wesens
belehren;  sondern,  da  sie  uns  auch  die  Ordnung,
Schönheit  und  Pracht  des  Universums  auf  die  einSo =
  wichtig
leuchtendeste  Art  bekannt  machen.
diese  Untersuchung  ist:  so  überlasse  ich  sie  doch  andern. =
  Mir  ist  es  genug,  wenn  diejenigen,  die
ihre  Augen  aufthun  wollen,  eingestehn,  daß  sie
Licht,  Farben,  Ausdehnung,  Größen  u.  s.  w.
wahrnehmen.  Höher  brauche  ich  nicht  hinauf  zu
gehn;  denn  dies  ist  schon  der  Punkt,  wo  ich  eine
evidente  Kenneniß  erlange.
§.  14.  Wir  wollen  hingegen  nur  selbst  untersuchen, =
  was  bey  einem  Blindgebohrnen,  dem  man
den  Sinn  des  Gesichts  ertheilt,  vorgehn  werde?
Dieser  Blinde  hat  sich  Ideen  von  Ausdehnung,
Größen  u.  s.  w.  erworben,  indem  er  über  die  verschiedenen =
  Sensationen,  beym  Befühlen  der  Körper, =
  reflektirte.  Er  ergreift  einen  Stock,  wovon
er  weiß,  daß  alle  Theile  auf  dieselbige  Weise  bestimmt =
  sind.  Dadurch  gelangt  er  zum  Begriff
von  einer  geraden  Linie.  Er  befühlt  einen  andern
Stock,  dessen  Theile  verschiedene  Bestimmungen
haben;  so,  daß  wenn  sie  verlängert  würden,  sie
sich  in  verschiedenen  Punkten  endigen  würden.  Das
giebt  ihm  die  Idee  von  einer  krummen  Linie.  Nun
geht  er  zu  den  Jdeen  vom  Winkel,  vom  Würfel,
von  der  Kugel,  und  von  den  übrigen  Arten  von
Figuren  fort.  So  ist  der  Ursprung  seiner  Jdeen
von  der  Ausdehnung  beschaffen.  Man  darf  sich
aber  nicht  vorstellen,  daß  er  in  dem  Augenblick,
da  er  seine  Augen  öfnet,  schon  alles  genießen  wird,
was  die  wunderbare  Mischung  des  Lichts  und  der
Farben  in  der  ganzen  Natur  hervorbringt.  Die
            
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