Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Ich  öfne  mein  Fenster,  und  werde  am  Ende
Jch  sehe,
der  Straße  einen  Menschen  gewahr.
daß  er  weit  von  mir  entfernt  ist,  eh  ich  noch  irWahr =
  ists,
gend  ein  Urtheil  gefällt  habe.
nicht  die  Lichtstralen,  die  von  ihm  zurückfallen,
sind  es,  die  mir  ganz  genau  sagen,  wie  weit  er
von  mir  entfernt  ist;  sondern  dies  machen  mir  die
Lichtstralen  kund,  die  von  den  zwischen  uns  liegenden =
  Gegenständen  ausfahren.  Nun  ist  es  natürlich, =
  daß  der  Anblick  dieser  Gegenstände  mir
einige  Idee  von  der  Entfernung  dieses  Menschen
von  mir  giebt;  es  ist  sogar  unmöglich,  daß  ich
diese  Idee  nicht  allmal  haben  solle,  wenn  ich
diese  Gegenstände  sehe.
§.  11.  Sie  irren  sich  wird  man  mie  sagen.  Die
plözlichen  und  fast  einförmigen  Urtheile,  die  ihre
Seele  in  einem  gewissen  Alter  von  den  Entfernungen, =
  Größen,  Lagen  fället,  machen  sie  glauben,
daß  man  nur  die  Augen  aufthun  müsse,  um  zu
sehn,  wie  Sie  sehen.  Das  ist  aber  nicht  so;  man
muß  zu  den  übrigen  Sinnen  seine  Zuflucht  nehmen. ¬
  Hätten  sie  nur  den  Sinn  des  Gesichts:  so
würden  sie  kein  Mittel  zur  Erkenntniß  der  Ausdehnung ¬
  haben.
§.  12.  Was  würde  ich  denn  wahrnehmen
Etwa  einen  mathematischen  Pünkt?  Gewiß  nicht;
Wecken  aber
ich  werde  Licht  und  Farben  sehn.
Licht  und  Schatten  nicht  nothwendig  verschiedene
Distanzen,  Größen  und  Lagen  auf?  Ich  sehe  vor
mich,  aufwärts,  niederwärts,  links  /  rechts.  Jch
sehe  ein  überall  verbreitetes  Licht,  und  viele  Farben, =
  die  gewiß  nicht  in  einen  Punkt  gemeinschaft=
            
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