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§. 5. Wenn man der Meynung des Herrn
Loke in allen ihren Folgen nachgeht: so müßte
man über die Distanzen, Lagen, Größen, und
über die Ausdehnung eben so urtheilen, wie er
von den Figuren geurtheilt hat. Man würde also
sagen: „Wenn wir ein weites Feld erblicken: fo
ist es gewiß, daß die Idee, die sich unsrer Seele bey
diesem Anblick eindrückt, eine platte, schattirte
und verschiedentlich kolorirte Fläche vorstellt,
nebst ven verschiedenen Graden des Lichts, wovon
unsre Augen gerührt werden. Da wir aber aus
Gewohnheit wissen, was für eine Art von Bild
die verschiedentlich gelegenen, verschiedentlich entfernten, =
verschiedentlich großen und verschiedentlich =
ausgedehnten Körper gewöhnlich in uns hervorbringen, =
und was für Veränderungen in der
Reflexion des Lichts, nach der Verschiedenheit der
Entfernungen, der Lagen, der Größen und der
Ausdehnung vorgehn: so sezen wir sogleich an die
Stelle dessen, was uns erscheint, die Bilder
selbst, die wir sehn: und das zu Folge eines Urtheils, ¬
welches uns durch die Gewohnheit geläusig ¬
geworden; dergestalt, daß wir uns, durch
Beyfügung eines Urtheils zum Sehen, welches
wir mit dem Sehen vermengen, Jdeen von verschiedenen =
Lagen, Entfernungen, Größen und Ausdehnungen =
bilden; wenn uns gleich unsre Augen
im Grunde weiter nichts vorstellen, als ein verschiedentlich ¬
schattirtes und kolorirtes Planum.
Diese Anwendung des Lokeschen Räsonnements
ist um so viel richtiger, da alle Ideen von Lage,
Entfernung, Größe und Ausdehnung, die uns der