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Ich sehe ein Basrelief; ich weis zuverläßig,
daß es auf einer platten Ebene angebracht ist. Ich
hab es auch angefühlt; und doch hindert mich diese
Kenntniß, die wiederholte Erfahrung und alle
mögliche Urtheile nicht, daß ich nicht konvere Figuren ¬
sehn sollte. Warum dauert dieser Schein
fort? Warum sollte ein Urtheil, welches die Kraft
hat, mich die Dinge ganz anders sehn zu machen,
als sie in der Idee sind, die mir meine Sensationen
verschaffen, nicht die Kraft haben, mich sie dieser =
Idee gemäs sehn zu machen? Das läßt sich
auch vom Schein der Ründe sagen, unter welchem ¬
wir ein entferntes Gebäude sehn, von welchem =
wir doch wissen und auch so urtheilen, daß
es viereckigt ist; und so tausend andre ähnliche
Beyspiele.
§. 4. Ein neuer Grund, der schon allein zur
Vernichtung der Lokeschen Meynung zureichen
würde, ist drittens dieser, daß man uns unmöglich =
das Bewußtseyn dieser Art von Urtheilen beybringen =
kann. Vergebens stüzt man sich auf den
Saz, daß sehr vieles in unseer Seele vorzugehn
scheint, was gar nicht zu unsrer Erkenntniß gelangt. ¬
Aus dem, was ich im ersten Kapitel des
zweyten Abschnitts gesagt habe, ist zwar so viel
gewiß, daß wir diese Urtheile gleich im ersten Augenblick =
nachher vergessen könnten, da wir sie gebildet ¬
haben. Allein das Bewußtseyn derselben
würde, wenn wir sie zum Objekt unsrer Reflexion
machen sollten, so lebhaft werden, daß wir ihr Daseyn =
nicht mehr in Zweifel ziehn würden.
Condillac.
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