Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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durch  das  Gesicht  hervorbringt,  angewöhnt  haben, =
  sie,  der  Aussage  dieses  Bildes  zuwider,  für
konvex  zu  halten.  Dieses  Urtheil  verändert,  um
mich  des  Ausdrucks,  den  Loke  kurz  darauf  braucht,
zu  bedienen,  die  Idee  von  der  Sensation,  und
es  stellt  uns  dieselbe  anders  vor,  als  sie  an  sich
selbst  beschaffen  ist.
§.  3.  Unter  diesen  Voraussezungen  behauptet
Loke,  ohne  Beweis,  daß  die  Sensation  der  Seele
nichts  weiter  darstellt,  als  das  Bild,  von  dem
wir  wissen,  daß  es  im  Auge  gezeichnet  wird.
Was  mich  betrift:  so  seh  ich,  wenn  ich  eine  Kugel ¬
  ansehe,  etwas  anders,  als  einen  platten
Kreis.  Es  scheint  mir  natürlich,  mich  hiebey  auf
die  Erfahrung  zu  berufen.  Es  giebt  übrigens
noch  Gründe  genug,  um  welcher  willen  man  die
Urtheile  verwerfen  muß,  zu  denen  dieser  Philosoph ¬
  seine  Zuflucht  nimmt.  Er  sezt  zuerst  voraus, ¬
  daß  wir  wissen,  was  für  Arten  von  Bildern =
  die  konvexen  Körper  in  uns  hervorbringen,
und  was  für  Veränderungen,  bey  der  Reflexion;
des  Lichts,  nach  Maasgabe  der  sichtbaren  Figuren =
  der  Körper  vorgehn;  dieses  aber  sind  Kenntnisse, =
  die  der  größte  Theil  der  Menschen  gar  nicht
hat,  wenn  sie  gleich  die  Figuren  auf  eben  die  Art
sehn,  wie  die  Philosophen.  Zweytens,  wir  wür
den  diese  Urtheile  vergebens  zum  Sehen  zugesellen: =
  wir  würden  sie  doch  nie,  wie  Loke  annimmt,
mit  demselben  vermengen;  sondern  wir  würden
auf  eine  gewisse  Weise  sehn,  und  auf  eine  andre
Art  urtheilen.
            
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