Objekt : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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haben  können.  Daher  haben  wir  ihnen  auch  Namen ¬
  gegeben.  So  bedeutet  z.  B.  der  Ausdruck
Gerechtigkeit,  die  Essenz  des  Gerechten;  der  Ausdruck ¬
  Weisheit,  das  Wesen  des  Weisen,  u.  s.  w.
Dieses  mag  vielleicht  einer  von  den  Gründen  seyn,
der  die  Scholastiker  glauben  machte,  man  dürfe,
um  Namen  zur  Bezeichnung  der  Wesen  der  Substanzen ¬
  zu  haben,  nur  der  Analogie  der  Sprache
folgen.  So  haben  sie  die  Wörter  Körperlichkeit,
Animalität  und  Menschheit  gemacht,  um  die  Essenz, =
  von  Körper,  Thier  und  Mensch  zu  bezeichnen. =
  Da  ihnen  diese  Ausdrücke  einmal  geläufig
worden  waren:  so  ließen  sie  sich  schwer  überzeugen,
daß  sie  sinnlos  seyen.
Es  giebt  drittens  nur  zwey  Mittel,  sich  der
Wörter  zu  bedienen.  Man  bedienet  sich  derselben
entweder,  nachdem  man  in  seiner  Seele  schon  alle
einfache  Ideen  fixirt  hat,  die  sie  bezeichnen  sollen:
oder  nachdem  man  blos  voraussezt,  daß  sie  Zeichen
von  der  Realität  der  Dinge  selbst  sind.  Der  erste
Weg  ist  gewöhnlich  schwierig:  weil  der  Sprachgebrauch ¬
  nicht  allemal  entschieden  ist.  Da  die
Menschen  die  Dinge,  nach  Maasgabe  ihrer  Erfahrung, ¬
  verschiedentlich  ansehn:  so  können  sie
sich  über  die  Anzahl  und  über  die  Beschaffenheit
der  Ideen  vieler  Wörter  schwer  vereinigen.  Wenn
aber  auch  diese  Einigkeit  einmal  da  ist:  so  ist
es  nicht  allemal  leicht  die  Bedeutung  eines  Ausdrucks ¬
  in  seinem  ganzen  Umfang  zu  fassen.  Es
braucht  zu  so  was  Zeit,  Erfahrung  und  Reflexion.
Weit  bequemer  ist  es,  daß  man  in  den  Dingen
            
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