Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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ben  aber  noch  immer  ein  Beyspiel  dieser  Art  von
Definitionen  von  ihnen  zu  hoffen.  Sie  werden,
wegen  ihres  Unvermögens,  das  Wesen  der  Dinge
zu  erkennen,  beständig  mangelhaft  seyn.  Aus
diesem  Unvermögen  machen  sie  sich  aber  nichts;
weil  sie  sich  in  abstrakte  Ideen  verlieben,  die  sie
realisiren,  und  die  sie  hernach  für  das  Wesen  der
Dinge  selbst  halten.
§.  9.  Der  Mißbrauch  der  realisirten  abgezogenen ¬
  Notionen  wird  darinnen  noch  sichtbarer,
wenn  die  Philosophen,  die  sich,  nach  ihrer  Art,
nicht  begnügten,  die  Natur  desjenigen  zu  erklären,
was  ist,  auch  die  Natur  dessen,  was  nicht  ist,  erklären =
  wollten.  Man  hat  sie  von  blos  möglichen
Geschöpfen  handeln  gesehn;  und  zwar  redeten  sie
von  ihnen  völlig  so,  wie  von  den  existirenden  Kreaturen. ¬
  Alles  haben  sie  realisirt,  so  gar  das  Nichts,
aus  dem  sie  hervorgegangen  sind.  Man  hat  gefragt: =
  Wo  waren  die  Kreaturen,  ehe  Gott  sie
schuf?  Die  Antwort  ist  leicht;  denn  die  Frage  ist
ja  mit  der  andern  einerley;  wo  waren  sie,  ehe  sie
waren?  Hierauf  dienet  zur  Antwort:  Sie  waren
nirgends.
Die  Idee  von  möglichen  Kreaturen  ist  weiter
nichts,  als  eine  realisirte  Abstraktion,  zu  welcher
wir  durchs  Abziehn  unsrer  Gedanken  von  der
Existenz  der  Dinge  und  durchs  bloße  Denken  an
die  übrigen  Beschaffenheiten,  die  wir  an  ihnen  erkennen, =
  gelangten.  Wir  haben  an  die  Ausdehnung, ¬
  an  die  Figur,  an  die  Bewegung  und  an
die  Ruhe  der  Körper  gedacht,  an  ihre  Existenz
aber  haben  wir  zu  denken  aufgehört.  So  haben
            
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