Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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da  das  Nichts  nicht  empfunden  werden  kann,  als
etwas  an,  und  sie  fährt  fort,  ihnen  dieselbige
Realität  zuzuschreiben,  mit  welcher  sie  sie  anfänglich =
  wahrgenommen  hat,  wenn  sie  ihnen  gleich
nicht  mehr  zukommen  kann.  Kurz,  diese  Abstraktionen ¬
  haben  sich,  wie  sie  noch  bloße  partikulaire
Ideen  waren,  mit  der  Idee  des  Seyns  verknüpft,
und  diese  Verknüpfung  dauert  nun  fort.
So  fehlerhaft  dieser  Widerspruch  ist:  so  ist  er
demohngeachtet  nothwendig.  Denn,  da  die  Seele
zu  eingeschränkt  ist,  als  daß  sie  auf  einmal  ihr
Wesen  und  auch  seine  Modifikationen  umfassen
könnte;  so  můßte  sie  beydes  nothwendig  wohl  von
einander  unterscheiden,  wenn  sie  abgezogene  Begriffe =
  bildet;  und  wenn  nun  gleich  die  Modifika
tionen  dadurch  alle  Realität  einbüssen,  die  sie  hat
ten:  so  muß  sie  demohngeachtet  dieselbe  voraussetzen; ¬
  weil  sie  sonst  nie  einen  Gegenstand  ihrer
Reflexion  aus  ihnen  machen  könnte.
Diese  Nothwendigkeit  ist  der  Grund,  warum
viele  Philosophen  nicht  daran  gedacht  haben,  daß
die  Realität  der  abstrakten  Ideen  das  Werk  der
Einbildungskraft  ist.  Sie  sahen,  daß  wir  schlechterdings =
  verbunden  waren,  diese  Ideen,  als  etwas
Reelles  anzusehn.  Dabey  blieben  sie  stehn;  und
da  sie  nicht  auf  den  Grund  zurückgiengen,  um
welches  Willen  wir  sie  in  diesem  falschen  Licht  betrachten: =
  so  machten  sie  den  Schluß,  daß  sie  wirkliche =
  Wesen  seyen.
Man  hat  also  alle  die  Notionen  realisirt;
freylich  mehr  oder  weniger,  nachdem  die  Dinge,
            
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