Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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nimmt  an,  (B.  III.  K.  5.  §.  3=5.)  die  Sele
mache  geistige  Sätze,  in  welchen  sie,  ohne  Darzwischenkunft ¬
  der  Wörter,  die  Ideen  verbindet,
oder  trennt.  Er  behauptet  so  gar,  der  beste  Weg
zu  Kenntnissen  zu  gelangen,  sey  dieser,  daß  man
die  Ideen  für  sich  selbst  betrachte.  Allein  er  be
merkt,  daß  man  es  nur  äußerst  selten  thut.  So
sehr  hat,  sagt  er,  (B.  IV.  K.  6.  §.  1.)  die  Gewohnheit, =
  Töne  statt  der  Ideen  zu  gebrauchen,
unter  uns  über  Hand  genommen.  Jch  habe  nicht
nöthig  mich,  nach  meinen  bisherigen  Anmerkungen,
länger  dabey  aufzuhalten,  daß  ich  zeige,  wie  wenig =
  dieses  alles  seine  Richtigkeit  habe.
Herr  Wolf  merkt  an,  es  lasse  sich  schwer  den
ken,  daß  die  Vernunft  von  einem  Menschen  gebraucht =
  werden  könne,  der  den  Gebrauch  willkührlicher =
  Zeichen  nicht  kennt.  Er  führt  die  beyden
Fakta,  die  ich  erzählt  habe,  als  Beyspiele  davon
an;  aber  er  erklärt  sie  nicht  *).
Uebrigens  hat
er  auch  die  unbedingte  Nothwendigkeit  der  Zeichen
eben  so  wenig  eingesehn,  als  er  die  Art  gekannt
hat,  wie  sie  zur  Fortbildung  der  Seelenoperationen ¬
  mitwirken.
Was  die  Cartesianer  und  die  Malebranchisten
betrift:  so  sind  diese  so  weit  als  möglich  von  dieser ¬
  Bemerkung  entfernt.  Wie  kann  man  sich  die
Nothwendigkeit  der  Zeichen  beyfallen  lassen,  wenn
man  mit  Descartes  annimmt,  daß  uns  die  Ideen
angebohren  sind,  oder  mit  Malebranche,  daß  wir
alles  in  Gott  sehn?
)  Walfi  Phchol.  Rational,  §.461.
            
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