Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

167
sionen,  denen  zur  Ideenschaft  das  abgeht,  daß
sie  nicht  als  Bilder  betrachtet  werden.
§.  26.  Mir  scheint  es  unnütz  zu  seyn,  wenn
ich  zu  diesen  Beyspielen  und  zu  den  Erklärungen,
die  ich  davon  gegeben  habe,  noch  etwas  hinzu
setzen  wollte.  Beyde  bestätigen  den  Satz  kräftig,
daß  sich  die  Seelenoperationen  in  eben  dem  Maas
mehr  oder  weniger  entwickeln,  in  welchem  man
den  Gebrauch  der  Zeichen  hat.
Hier  entsteht  aber  eine  Schwierigkeit.  Wenn
nämlich  unser  Geist  seine  Ideen  blos  durch  Zeichen
fixirt:  so  laufen  ja  unsre  Råsonnements  Gefahr,
daß  sie  oft  blos  auf  Wörtern  beruhn.  Dadurch
aber  müssen  wir  nothwendig  in  sehr  viele  Jrrthümer =
  gestürzt  werden.
Jch  antworte:  die  Gewißheit  der  Mathematik =
  hebt  diese  Schwierigkeit.  Wenn  wir  die  an
die  einzelnen  Zeichen  geknüpften  einfachen  Jdeen
so  bestimmen,  daß  wir  sie,  im  Fall  der  Noth,
analysiren  können:  so  dürfen  wir  nicht  mehr  befürchten, ¬
  daß  wir  uns  betrügen  werden,  als  die
Mathematiker,  wenn  sie  sich  ihrer  Ziffern  bedienen.
Dieser  Einwurf  lehrt  in  der  That  nur  so  viel,  daß
man  sehr  vorsichtig  verfahren  müsse,  um  sich  nicht,
wie  doch  viele  Philosophen  thun,  in  Wortstreite
und  in  unnütze  und  kindische  Untersuchungen  zu
verwickeln.  Dadurch  aber  wird  gerade  das  bestätigt, ¬
  was  ich  selbst  angemerkt  habe.
§.  27.  Hier  läßt  sich  auch  die  Bemerkung  anbringen, =
  wie  langsam  sich  die  Seele  zur  Erkenntniß =
  der  Wahrheit  erhebt.  Locke  giebt  davon  ein
Beyspiel,  welches  mir  sonderbar  zu  seyn  scheint.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer