Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Kraft  aufwecken.  Dieses  bestätigt  sich  am  Beyspiel ¬
  der  Blinden,  die  gemeiniglich  einen  weit  feinern ¬
  Takt,  als  wir,  haben.  Denn  hier  findet  derselbige =
  Grund  statt.
§.  22.  Nie  wird  aber  dieser  Mensch  eigenmächtig ¬
  über  die  Operationen  seiner  Seele  herrschen. ¬
  Um  dieses  zu  beweisen,  wollen  wir  zusehn, ¬
  unter  was  für  Umständen  sie  ausgeübt  werden =
  können.
Ich  seze  voraus,  ein  Ungeheuer  kömmt  auf
ihn  zu,  welches  er  schon  andre  Thiere  hat  auffressen =
  gesehn,  oder  wovon  ihm  doch  diejenigen  Thiere,
unter  denen  er  lebt,  gesagt  haben,  daß  er  vor  ihm
fliehen  müsse.  Dieser  Anblick  zieht  seine  Aufmerksamkeit ¬
  an,  weckt  die  Empfindungen  des  Schreckens =
  auf,  die  mit  der  Idee  des  Monstrums  genau ¬
  verknüpft  sind,  und  macht  ihn  die  Flucht  ergreifen. =
  Er  entkömmt  diesem  Feind;  das  Zittern
aber,  welches  seinen  ganzen  Körper  erschütterte,
erhält  die  Jdee  einige  Zeitlang  in  ihm  gegenwärlig. =
  Das  ist  sein  Betrachten.  Kurz  darauf
führt  ihn  der  Zufall  wieder  an  diesen  Ort.  Die
Idee  des  Orts  weckt  die  Idee  des  Ungeheuers  auf,
womit  sie  sich  vergesellschaftet  hatte.  Das  ist  die
Imagination.  Weil  er  sich  endlich  auch  für  dasselbige ¬
  Wesen  hält,  welches  schon  ehedem  an  diesem =
  Ort  gewesen:  so  hat  er  auch  die  Reminiscenz.
Hieraus  erhellet,  daß  die  Ausübung  dieser  Operationen =
  von  einem  gewissen  Zusammenfluß  von
Umständen  abhängt,  die  ihn  auf  eine  eigene  Art
affiziren;  und  daß  folglich  diese  Ausübung  derselCondillac. =

            
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