legentlich fing er dieses Werk an, und er sezte es
eben so fort. Wiewohl er vorhersah, daß ihm
ein auf diese Weise verfertigtes Werk nothwendig
Vorwürfe zuziehn müsse: so hatte er doch, wie
er selbst in seiner Vorrede sagt, weder Muth
noch Muße, es auszubessern. Diesem Umstand
muß man die Ausführlichkeiten, die Wiederholungen ¬
und die Unordnungen in seinem Werk zuschreiben. =
Locke war im Stand diese Fehler zu
verbessern, und vielleicht läßt er sich gerade deswegen ¬
nicht so leicht entschuldigen. Er hat z. B.
eingesehn, daß uns die Wörter, und die Art,
wie wir uns ihrer bedienen, in Ansehung des
Ursprungs unsrer Ideen, Licht geben können *).
Weil er dieses aber zu spåt bemerkte; so hat er
erst in seinem dritten Buch von einem Gegenstand ¬
gehandelt, der eigentlich das zweite Buch
hätte ausmachen sollen **). Hätte er sein Werk
wieder von vorne anfangen wollen: so läßt sich
vermuthen, daß er die Beschaffen heit des menschlichen =
Verstandes weit besser würde entwickelt
haben. Da er es aber nicht gethan hat: so geht
er auch zu hurtig über den Ursprung unsrer
Kenntnisse weg; und dies ist gerade der Theil,
den er am allerwenigsten erschöpft hat. So
*) Buch III. Kap. 8. §. 1.
**) Ich gestehe, sagt er, (Buch III. Kap. 9. § 21)
daß es mir, wie ich dieses Werk anfing, und auch
lange nachher, nicht beisiel, daß die Reflexion auf
die Wörter nothwendig sey.