Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

legentlich  fing  er  dieses  Werk  an,  und  er  sezte  es
eben  so  fort.  Wiewohl  er  vorhersah,  daß  ihm
ein  auf  diese  Weise  verfertigtes  Werk  nothwendig
Vorwürfe  zuziehn  müsse:  so  hatte  er  doch,  wie
er  selbst  in  seiner  Vorrede  sagt,  weder  Muth
noch  Muße,  es  auszubessern.  Diesem  Umstand
muß  man  die  Ausführlichkeiten,  die  Wiederholungen ¬
  und  die  Unordnungen  in  seinem  Werk  zuschreiben. =
  Locke  war  im  Stand  diese  Fehler  zu
verbessern,  und  vielleicht  läßt  er  sich  gerade  deswegen ¬
  nicht  so  leicht  entschuldigen.  Er  hat  z.  B.
eingesehn,  daß  uns  die  Wörter,  und  die  Art,
wie  wir  uns  ihrer  bedienen,  in  Ansehung  des
Ursprungs  unsrer  Ideen,  Licht  geben  können  *).
Weil  er  dieses  aber  zu  spåt  bemerkte;  so  hat  er
erst  in  seinem  dritten  Buch  von  einem  Gegenstand ¬
  gehandelt,  der  eigentlich  das  zweite  Buch
hätte  ausmachen  sollen  **).  Hätte  er  sein  Werk
wieder  von  vorne  anfangen  wollen:  so  läßt  sich
vermuthen,  daß  er  die  Beschaffen  heit  des  menschlichen =
  Verstandes  weit  besser  würde  entwickelt
haben.  Da  er  es  aber  nicht  gethan  hat:  so  geht
er  auch  zu  hurtig  über  den  Ursprung  unsrer
Kenntnisse  weg;  und  dies  ist  gerade  der  Theil,
den  er  am  allerwenigsten  erschöpft  hat.  So
*)  Buch  III.  Kap.  8.  §.  1.
**)  Ich  gestehe,  sagt  er,  (Buch  III.  Kap.  9.  §  21)
daß  es  mir,  wie  ich  dieses  Werk  anfing,  und  auch
lange  nachher,  nicht  beisiel,  daß  die  Reflexion  auf
die  Wörter  nothwendig  sey.
            
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