Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Zweytes  Kapitel.
Bestätigung  der  Säze  aus  Thatsachen,  die  im
vorhergehenden  Kapitel  bewiesen
worden  sind.
§.  13.  „Zu  Chartres  fieng  ein  drey  und
zwanzig,  bis  vier  und  zwanzig  jähriger  Jüngling,
der  taub  und  stumm  gebohren  wurde,  auf  einmal,
zum  großen  Erstaunen  der  ganzen  Stadt,  zu  reden ¬
  an.  Es  war  der  Sohn  eines  Künstlers.
Man  weis  so  viel  von  ihm,  daß  er,  drey  bis  vier
Monate  vorher,  den  Schall  der  Glocken  gehört,
und  daß  er  durch  diese  neue  und  ungewöhnliche
Sensation  in  die  äußerste  Verwunderung  gesezt
worden.  Bald  darauf  floß  eine  Art  von  Feuchtigkeit ¬
  aus  seinem  linken  Ohr  aus,  und  er  hörte
nun  vollkommen  mit  beyden  Ohren.  Drey  bis
vier  Monate  giengen  hin,  daß  er  blos  zuhörte,
ohne  etwas  zu  sagen.  Während  dieser  Zeit  gewöhnte ¬
  er  sich,  die  Wörter,  die  er  hörte,  heimlich  zu
wiederholen,  um  sich  in  der  Aussprache  und  in  den
mit  den  Wörtern  verbundenen  Jdeen  fest  zu  sezen.
Endlich  glaubte  er  im  Stand  zu  seyn,  das  Stillschweigen =
  zu  endigen,  und  er  erklärte,  er  rede  nun,
wenn  seine  Sprache  gleich  etwas  unvollkommen
war.  Geschickte  Theologen  erkundigten  sich  gleich
bey  ihm  um  seinen  vorigen  Zustand,  und  ihre
Fragen  betrafen  hauptsächlich  die  Gottheit,  die
Seele,  die  moralische  Güte  und  Bosheit  der  Handlungen. =
  Er  schien  mit  seinen  Gedanken  noch  nicht
so  weit  gekommen  zu  seyn.
Wenn  er  gleich  von
            
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