Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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den.  Man  vergesse,  auf  einen  Augenblick,  alle
diese  Zeichen,  und  man  versuche  sich  die  Ideen  derselben ¬
  zurückzurufen:  so  wird  man  finden,  daß
die  Wörter  oder  andre  gleichbedeutende  Zeichen  so
äußerst  nothwendig  sind,  daß  sie  in  unsrer  Seele,
so  zu  sagen,  die  Stelle  einnehmen,  die  die  Gegenstände ¬
  außer  uns  ausfüllen.  So  wie  die  Beschaffenheiten =
  der  Dinge  außer  uns,  ohne  Subjekt,  in
welchen  sie  vereinigt  sind,  nicht  koexistiren  würden: ¬
  eben  so  würden  auch  ihre  Ideen  ohne  Zeichen, ¬
  wodurch  sie  gleichfalls  vereinigt  werden,  nicht
in  unsrer  Seele  koexistiren  können.
§.  8.  Noch  fühlbarer  wird  die  Nothwendigkeit
der  Zeichen  bey  komplexen  Ideen,  die  wir  ohne
Modelle  bilden.  Wenn  wir  Ideen  versammlet  haben, ¬
  die  wir  nirgends  beysammen  finden,  welches =
  denn  gewöhnlich  der  Fall  mit  den  urbildlichen ¬
  Notionen  ist;  was  wird  wohl  die  Sammlungen ¬
  derselben  festhalten,  wenn  wir  sie  nicht  an
Wörter  knüpften,  die  gleichsam  die  Bande  sind,
die  sie  uns  nicht  entwischen  lassen?  Glaubt  einer
die  Namen  seyen  ihm  unnüz:  so  tilge  er  sie  aus
seinem  Gedächtniß  aus,  und  versuche  nun  über
die  bürgerlichen  und  moralischen  Geseze,  über  Tugenden ¬
  und  Laster,  über  alle  menschlichen  Handlungen =
  nachzudenken;  und  er  wird  gewiß  bald
einsehn,  daß  er  sich  in  seiner  Meynung  geirret
habe;  er  wird  eingestehn,  daß,  wenn  er  nicht
bey  jeder  Kombination  Zeichen  hätte,  wodurch  er
die  Anzahl  der  Ideen,  die  er  sammlen  wollte,  bestimmen ¬
  könnte,  er  kaum  einen  Schritt  würde
haben  thun  können,  bey  welchem  er  etwas  mehr,  als
            
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