Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Ich  weiß,  duß  hundert  um  eine  Einheit  größerals ¬
  neun  und  neunzig,  und  um  eine  Einheit  kleiner ¬
  ist,  als  hundert  und  eins;  denn  ich  weißdaß ¬
  dieses  drey  zur  Bezeichnung  dreyer  unmittelbar ¬
  auf  einander  folgender  Zahlen  dienliche  Zeichen =
  sind.
§.  4.  Man  täusche  sich  nicht  mit  der  Einbildung, ¬
  daß  die  von  ihren  Zeichen  abgesonderten
Ideen  von  Zahlen  klar  und  bestimmt  seyen  *).
Nur  der  Name  allein,  woran  man  die  mehrerern
Einheiten  geknüpft  hat,  verbindet  sie  in  der  Seele
zusammen.  Frägt  mich  jemand,  was  ist  Tausend? =
  so  kann  ich  nichts  anders  darauf  antworten, =
  als  dieses,  das  Wort  fixirt  in  meiner  Seele
eine  gewisse  Menge  von  Einheiten.  Will  er  von
dieser  Menge  noch  mehr  wissen:  so  kann  ich  sie
ihm  unmöglich  nach  allen  ihren  Theilen  begreiflich
machen.  Ich  habe  kein  anderes  Mittel,  als
daß  ich  ihm  mit  nach  und  nach  alle  Namen  vorhalte, ¬
  die  man  zur  Bezeichnung  der  vor  der  Zahl
tausend  vorhergehender  Progreßionen  erfunden
Jch  muß  ihn  lehren,  wie  man  eine  Einhat. =

heit  zur  andern  hinzusezt,  und  sie  mittelst  des
Zeichens  zwey  vereiniget;  wie  man  zu  den  vörigen
noch  eine  Einheit  beyfügt,  und  sie  dann  sämtlich
an  das  Zeichen  drey  knüpfet,  u.  s.  w.  Auf  die  sem =
  Weg,  und  dieses  ist  der  einzige,  den  man
Malebranche  glaubte,  die  Zahlen,  die  sich  der
reine  Verstand  vorstellt,  seyen  etwas  Höheres,
als  die  Zahlen,  die  in  die  Sinne  fallen.  Augustin,
die  Platoniker  und  alle  Vertheidiger  der  angebohrnen ¬
  Begriffe  hegten  dasselbe  Vorurtheil.
            
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