Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Dings  selbst  nachzugehn.  Wenn  daher  diese  vollkommen ¬
  ist:  so  muß  sie  zuverläßig  alle  Stimmen
versammlen,  und  dadurch  die  Streitigkeiten
endigen.
§.  11.  Wenn  die  Meßkünstler  gleich  diese  Methode =
  gekannt  haben:  so  haben  sie  sich  doch  gewisser =
  Vorwürfe  schuldig  gemacht.  Es  trift  sich  bisweilen, ¬
  daß  sie  die  wahre  Erzeugung  der  Dinge
nicht  fassen,  und  das  zwar  bey  Gelegenheiten,  wo
sie  leicht  zu  fassen  war.  Eine  Pröbe  davon  finSie ¬

det  man  gleich  zu  Anfang  der  Geometrie.
sagen  z.  B.  der  Punkt  begränze  sich  selbst  auf  allen
Seiten,  er  habe  keine  andre  Gränzen,  als  sich
selbst,  oder  er  sey  etwas,  was  weder  Länge,  noch
Breite,  noch  Dicke  hat:  und  doch  lassen  sie  ihn
sich  bewegen,  um  die  Linie  zu  erzeugen.  Sie  lassen ¬
  hierauf  die  Linie  sich  bewegen,  um  die  Fläche,
und  die  Fläche,  um  das  Solidum  zu  erzeugen.
Jch  merke  hier  fürs  erste  an,  daß  sie  dadurch
vollkommen  in  den  Fehler  der  Philosophen  fallen.
Sie  wollen  nämlich  etwas  sehr  einfaches  definiren.
Dieser  Fehler  ist  eine  von  den  Folgen  der  Synthese, ¬
  die  ihnen  so  nahe  am  Herzen  liegt,  und
die  es  einem  zur  Pflicht  macht,  daß  man  alles
definiren  müsse.
Fürs  zweyte:  so  zeigt  der  Ausdruck  Gränze
so  nothwendig  das  Verhältniß  zu  einem  ausgedehnten ¬
  Ding  an,  daß  man  sich  unmöglich  ein
Ding  vorstellen  kann,  welches  sich  von  allen  Seiten =
  terminirt,  oder  welches  keine  andre  Gränzen
hat,  als  sich  selbst.  Uebrigens  ist  auch  die  Beraubung ¬
  aller  Länge,  Breite  und  Dicke  keine  so
            
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