133
§. 10. Hieraus läßt sich die Unnützheit der
Definitionen, d. h. der Sätze abnehmen, wodurch
man die Eigenschaften der Dinge mittelst eines
Denn
Genus, und einer Differenz erklären will.
fürs erste ist der Gebrauch derselben unmöglich,
wenn von einfachen Ideen die Rede ist. Locke
hat dieses bewiesen, (B. III. K. 11.) und es ist
merkwürdig genug, daß er der erste ist, der dieses
hemerkt hat. Da die Philosophen vor ihm die
Ideen, die man definiren muß, von den Ideen,
die nicht definirt werden dürfen, nicht zu unterscheiden =
wußten: so läßt sich schon zum voraus
die Verwirrung vermuthen, die in ihren Schriften
herrscht. Die Cartesianer wußten wohl, daß es
weit klärere Ideen giebt, als alle Definitionen
Sie
sind, die man von denselben geben kann.
kannten aber den Grund nicht, so leicht er auch
zu finden war. Daher bemühen sie sich sehr,
einfache Ideen zu definiren, während daß sie es
für unnütz halten / sehr zusammengesezte Jdeen
mittelst einfacher zu definiren. Hieraus erhellet,
wie schwer der kleinste Schritt in der Philosos
phie ist.
Die Definitionen taugen fürs zweyte dazu
nicht sehr, daß sie uns von Dingen, die nicht sehr
zusammengesezt sind, bestimmte Begriffe geben
sollten. Die besten sind nicht einmal so gut, als
eine unvollkommene Analyse, und zwar deswegen,
weil allemal etwas unbewiesenes in dieselben hineinkömmt, =
wenigstens hat man keine Regel, um
Bey
sich vom Gegentheil versichern zu können.
der Analyse ist man gezwungen der Erzeugung des