Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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pfindungen.  Nachdem  nämlich  die  Imagination,
durch  die  größere  oder  mindere  Lebhaftigkeit  der  Leidenschaften =
  mehr  oder  weniger  gerührt  wird;  nachdem =
  weckt  sie  auch  mit  mehr  oder  mit  weniger
Kraft  die  Empfindungen  auf,  die  auf  sie  einige
Beziehung  haben,  und  die  folglich  auch  mit  unserm ¬
  gegenwärtigen  Zustand  in  einiger  Verbindung ¬
  stehn.
Wir  wollen  ein  Paar  Menschen  sezen,  die  sich
in  denselbigen  Umständen  befinden,  und  die  dieselbigen ¬
  Leidenschaften  haben,  aber  in  einem  ungleichen =
  Grad  ihrer  Stärke.  Wir  wollen  uns  auf
der  einen  Seite  den  alten  Horaz,  so  wie  ihn  Corneille =
  schildert,  mit  der  römischen  Seele  gedenken,
die  es  ihm  zur  Pflicht  machte,  seine  eignen  Kinder, ¬
  für  das  Wohl  der  Republik  aufzuopfern.
Der  Eindruck  bey  der  Nachricht  von  der  Flucht
seines  Sohns  ist  ein  konfuses  Gemisch  aller  Empfindungen, =
  die  die  höchste  Liebe  fürs  Vaterland
und  die  Ruhmbegierde  erzeugen  kann:  so  daß  er
den  Verlust  seiner  zwey  Söhne  nicht  betrauern,
sondern  blos  wünschen  darf,  daß  auch  der  dritte
gleichfalls  sein  Leben  eingebüßt  hätte.  Dies  sind
die  Empfindungen,  die  in  ihm  vorgehn;  aber,
wird  er  sie  wohl  in  ihrem  ganzen  Detail  ausdrücken? ¬
  Nein;  denn  das  ist  nicht  die  Sprache  heftiger ¬
  Leidenschaften,  Eben  so  wenig  wird  er  auch
nur  eine  von  den  weniger  lebhaften  Empfindungen
ausdrücken;  sondern  er  wird  natürlicher  Weise
diejenige  hervorziehn,  die  ihn  mit  der  größten
Lebhaftigkeit  erschüttert;  und  bey  dieser  wird  er
stehn  bleiben;  weil  er  die  übrigen,  durch  die  Ver=
            
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