Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Ich  will  mich  nicht  länger  bey  diesem  Stück
der  Imagination  aufhalten.  Hier  wäre  Stoff
zu  einem  eignen  Werk.  Für  meinen  Plan  reicht
es  zu,  daß  ich  die  Sache  nicht  ganz  übergangen
habe.
Eilftes  Kapitel.
Von  der  Vernunft;  —  Vom  Esprit  und  dessen
verschiedenen  Arten.
§.  92.  Aus  allen  Operationen,  die  wir  beschrieben ¬
  haben,  erwächst  eine  einzige,  die,  so  zu
sagen,  die  Krone  des  Verständes  ist,  die  Vernunft. ¬
  Man  mag  sich  einen  Begrif  davon  machen, ¬
  welchen  man  will:  so  ist  man  doch  allgemein ¬
  darüber  einig,  daß  man  nur  durch  die  Vernunft ¬
  bürgerliche  Geschäfte  mit  Klugheit  ausführen, ¬
  und  nur  durch  sie  in  der  Untersuchung  der  Wahrheit =
  glücklich  fortkommen  kann.  Daraus  folgt,  daß
die  Vernunft  nichts  weiter  ist,  als  die  Kenntniß
der  Art,  wie  wir  die  Operationen  unster  Seele
anzuordnen  haben.
§.  93.  Jch  glaube  nicht,  daß  ich  in  dieser  Erklärung ¬
  vom  Sprachgebrauch  abgehe.  Ich  bestimme ¬
  blos  einen  Begrif,  der  mir  gar  nicht  bestimmt ¬
  zu  seyn  schien.  Damit  weiche  ich  zu  gleicher ¬
  Zeit  allen  Vorwürfen  aus,  die  man  der  Vernunft =
  blos  deswegen  macht,  weil  man  den  Ausdruck ¬
  in  einer  zu  schwankenden  Bedeutung  nimmt.
Kann  man  nun  wohl  sagen,  die  Natur  habe  uns
ein  stiefmütterliches  Geschenk  gemacht,  wie  sie  uns
            
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