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§. 88. Die Macht der Imagination hat keine
Gränzen. Sie vermindert oder verscheucht unser
Unglück, und sie allein kann unsern Vergnügungen ¬
die Würze geben, die ihren ganzen Werth
ausmacht. Bisweilen aber ist sie der fürchterlichste =
Feind, den wir kennen: sie vergrößert unser
Unglück; sie schaft uns Uebel, wenn wir keine
haben, und ihre Tyranney endigt sich damit, daß
wir uns den Dolch in die Brust stoßen.
Um von diesen Wirkungen Rechenschaft zu geben, =
bemerke ich, daß, wenn die Sinne auf das
Organ der Imagination wirken, dieses Organ
wieder auf die Sinne zurückwirkt. Daran läßt
sich gar nicht zweifeln; da die Erfahrung ein ähnliches ¬
Rückwirken ganz unelastischer Körper lehrt.
Jch bemerke ferner: das Rückwirken dieses Orgaus =
ist lebhafter, als das Wirken der Sinne;
weil die Imaginatien nicht blos mit der einzigen
Kraft auf die Sinne zurückwirkt, die die mittelst
der Sinne entstandene Perzeption voraussezt: sondern ¬
weil dieses mit allen vereinigten Kräften aller ¬
Perzeptionen geschieht, die mit dieser Perzeption
genau verbunden sind, und die einander eben deswegen ¬
nothwendig aufwecken mußten. Da das
ist: so lassen sich auch die Effekte der EinbildungsWir =
kraft ohne viele Schwierigkeit begreifen.
wollen es an Beyspielen zeigen.
Die Perzeption eines Schmerzes weckt in meiner ¬
Einbildungskraft alle die Jdeen auf, mit welchen =
jene Idee in genauer Verbindung steht. Jch
sehe die Gefahr; Schrecken ergreift mich; es