Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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machen,  es  habe  Visionen,  es  unterhalte  sich  mit
den  Engeln,  oder  es  befinde  sich  sogar  bey  ihnen
im  Himmel.  Es  wäre  zu  wünschen,  daß  junge
Personen  beyderley  Geschlechts  bey  der  Lektüre  di=  |  |
ser  Art  von  Schriften  allemal  von  einsichtsvollen
Männern  geleitet  würden,  die  die  Beschaffenheit
ihrer  Einbildungskraft  kennen.
§  86.  Diese  Arten  von  Wahrheiten  werden
von  aller  Welt  dafür  angesehn.  Es  giebt  aber
noch  gewisse  Zerrüttungen  der  Seele,  die  man
noch  nicht  mit  diesem  Namen  belegt.  Alle  Zerrüttungen, ¬
  die  ihren  Grund  in  der  Imagination  haben, ¬
  müßten  indessen  in  diese  Klasse  gebracht  werden. =
  Bestimmt  man  die  Narrheit  nur  nach  den
Frrthümern:  so  kann  man  keinen  festen  Punkt  ansezen, =
  wo  sie  sich  anhebt.  Man  lasse  sie  daher  in
einer  Einbildungskraft  bestehn,  die,  ohne  daß
man  es  merken  kann,  Ideen  auf  eine  ganz  unordentliche ¬
  Art  assoziirt,  und  die  bisweilen  auch  auf
unsre  Urtheile  und  auf  unser  Betragen  Einfluß
hat.  Nach  dieser  Bestimmung  ist  kein  Mensch  davon =
  ausgenommen.  Der  weiseste  Mann  wird
vom  närrischsten  Menschen  nur  darinnen  unterschieden ¬
  seyn,  daß  die  Verirrungen  seiner  Einbildungskraft =
  nur  solche  Dinge  zum  Gegenstand  haben,
die  in  das  gewöhnliche  Leben  wenig  Einfluß  haben, =
  und  die  ihn  auf  eine  weniger  in  die  Augen
fallende  Art  mit  den  übrigen  Menschen  in  Widerspruch ¬
  sezen.  In  der  That,  wo  ist  ein  Mensch,
den  nicht  irgend  eine  Lieblingsleidenschaft  unaufhörlich, =
  bey  gewissen  Begebenheiten,  dringen
sollte,  daß  er  sich  nur  nach  Maasgabe  der  lebhaf=
            
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