Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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die  sich  am  meisten  auszeichnen.  Das  ist  der
Grund,  warum  uns  Personen,  die  Physionomie
haben,  mehr  gefallen  oder  mißfallen,  als  andre
Menschen.  Denn  die  Physionomie  ist  weiter
nichts,  als  eine  Sammlung  von  Zügen,  mit  denen ¬
  wir  Ideen  verknüpft  haben,  die  einander  nicht
aufwecken,  ohne  mit  Vergnügen  oder  mit  Abscheu
vergesellschaftet  zu  seyn.  Man  muß  sich  demnach
nicht  wundern,  daß  wir  geneigt  sind,  andre  nach
ihrer  Physionomie  zu  beurtheilen,  und  daß  wir
gleich  beym  ersten  Anblick  Zuneigung  oder  Abneigung ¬
  gegen  sie  in  uns  gewahr  werden.
Es  ist  eine  Wirkung  dieser  Verknüpfungen,
daß  wir  bisweilen  bis  zur  Ausschweifung  für  gewisse ¬
  Personen  eingenommen,  und  daß  wir  gegen
andre  ganz  ungerecht  sind.  Das  rührt  davon
her,  daß  sich  dasjenige,  was  uns  an  unsern
Freunden  und  Feinden  auffällt,  mit  den  angenehmen =
  oder  unangenehmen  Empfindungen  verbindet,
die  sie  uns  gewähren,  und  daß  folglich  auch  die
Fehler  unsrer  Freunde  allemal  etwas  Angenehmes
von  demjenigen  annehmen,  was  wir  Liebenswürdiges =
  an  ihnen  wahrnehmen;  so  wie  hingegen  auf
der  andern  Seite  uns  die  besten  Eigenschaften  unsrer =
  Feinde  an  ihren  Fehlern  Theil  zu  nehmen  scheinen. ¬
  Dadurch  haben  diese  Ideenverbindungen
auf  unser  ganzes  Betragen  Einfluß.  Sie  unterhalten =
  unsre  Liebe  und  unsern  Haß;  unsre  Hochschäzung =
  und  unsre  Verachtung  andrer;  sie  erwecken ¬
  unsre  Erkenntlichkeit  und  unsern  Unwillen,  und
sie  erzeugen  diejenigen  Sympathien  und  Anthipathien, =
  und  alle  die  sonderbaren  Neigungen,  von
            
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