Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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durch  den  dringendesten  Bewegungsgrund  dazu
bestimmt  wird,  nämlich  durch  die  Erhaltung  unsers =
  Wesens.
Malebranche  hat  diese  Verknüpfung  für  natürlich ¬
  gehalten,  oder  sie  doch  so  angesehn,  als
wenn  sie  seit  unsrer  Geburt  da  wäre.  „Die  Idee
von  einer  beträchtlichen  Höhe,  sagt  er,  die  man
unter  sich  wahrnimmt,  von  welcher  man  herunter
zu  fallen  in  Gefahr  ist:  oder  auch  die  Idee  von
irgend  einem  großen  Körper,  der  eben  auf  uns  herabfallen ¬
  will,  ist  von  Natur  mit  der  Idee,  die
uns  den  Tod  darstellt,  und  mit  einer  Erschütterung ¬
  der  Lebensgeister  verknüpft,  die  uns  die  Flucht
und  das  Verlangen  zu  fliehen,  einflößt.  Diese
Verknüpfung  ändert  sich  niemals  ab;  denn  es
war  nothwendig,  daß  sie  beständig  dieselbige  bliebe; =
  und  sie  besteht  in  einer  Disposition  der  Fibern
des  Gehirns,  die  wir  von  unsrer  Kindheit  an
haben."  *).
Hätte  es  uns  die  Erfahrung  nicht  gelehrt,  daß
wir  sterblich  sind;  so  ist  es  einleuchtend,  daß  wir,
weit  davon  entfernt,  eine  Jdee  vom  Tod  zu  haben,
beym  Anblick  desjenigen,  der  zuerst  stürbe,  sehr  in
Verwunderung  gesezt  werden  würden.  Dieses  ist
demnach  eine  erworbene  Jdee,  und  Malebranche  hat
sich  darinnen  geirrt,  daß  er  das,  was  uns  natürlich ¬
  ist,  oder  was  sich  seit  der  Geburt  bey  uns
findet,  mit  demjenigen  verwechselt  hat,  was  allen ¬
  Menschen  gemeinschaftlich  zukömmt.  Dieser
Frihum  ist  allemein.  Man  willnicht  einsehn,
*)  Recherche  de  la  Verite,  Liv.  II.  Chap.  2.
            
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