Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

hat  es  aber  rathsamer  grschienen,  wenn  ich  die
verschiedenen  Arten,  nach  welchen  die  Reflexion
ausgeübt  wird,  als  eben  so  viel  verschiedene  Operationen =
  betrachtete;  weil  in  den  daraus  erwachsenden ¬
  Effekten  mehr  oder  weniger  liegt.  Die
Reflexion  macht  z.  B.  etwas  mehr,  wenn  sie  Jdeen
vergleicht,  als  wenn  sie  sie  blos  von  einander  unterscheidet; ¬
  so  auch,  wenn  sie  sie  zusammensezt,
und  auseinanderlegt,  thut  sie  etwas  mehr,  als
wenn  sie  sie  blos  so  vergleicht,  wie  sie  sind;  u.  s.  f.
Man  kann  die  Seelenoperationen  ohne  Zweifel
nach  der  Art,  nach  welcher  man  sich  die  Dinge
vorstellen  will,  vermehren  und  vermindern.  Man
könnte  sie  auch  auf  eine  einzige,  auf  das  Bewußtseyn, ¬
  zurückführen.  Es  giebt  aber  eine  Mittelstraße =
  zwischen  dem  zu  starken  Abtheilen,  und
zwischen  dem  Versäumen  aller  Abtheilung.  Doch
wir  müssen  um  diese  Materie  in  ihr  volles  Licht  zu
sezen,  zu  neuen  Analysen  übergehn.
Neuntes  Kapitel.
Von  den  Nachtheilen  und  den  Vortheilen  der
Einbildungskraft.
§.  75.  Unser  Vermögen,  unsre  Perzeptionen
in  der  Abwesenheit  der  Gegenstände  wieder  aufzuwecken, ¬
  schließt  das  Vermögen  in  sich  die  fremdesten =
  Jdeen  mit  einander  zu  verknüpfen.  Nichts  ist
in  der  Welt,  was  in  unsrer  Einbildungskraft  nicht
eine  neue  Form  erhalten  könnte.  Dadurch,  daß
sie  die  Beschaffenheiten  eines  Subjekts  in  ein  an¬
            
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