Metadaten : Lehrbuch der allgemeinen Erziehungskunde im Auszuge (Th. 2)

Max-Planck-Institut  für  Bildungsforschur

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selbst  zu  übernehmen.  Der  reifere  Zögling  muß  sich  selbst
warnen,  bilden,  leiten  und  heilen  lernen.
55.  §.  Diese  Selbstbildung  hänget  von  dem  Willen,
Zu  diesem  Zwecke  ist  es  nothwendig,  daß  der  Zögling
auf  den  Zustand  seiner  Gefühle  aufmerksam  zu  seyn  gewohnt -
  werde.  Der  Erzieher  mache  den  Zögling  auf  die
Wichtigkeit  der  Gefühle  und  auf  die  nachtheiligen  Folgen
aufmerksam,  welche  jede  Art  der  Ausartung  nach  sich  ziehen
kann.  Besonders  zeige  er  ihm,  daß  auch  die  höheren  und
edleren  Gefühle  ausarten  können,  und  daher  der  wachsamer
Sorgfalt  bedürfen.  Durch  das  Reflectiren  über  sich
selbst  lernet  der  Mensch  seine  individuelle  Beschaffenheit
kennen,  und  wird  in  den  Stand  gesetzet,  zu  beurtheilen,
was  ihm  nothwendig,  zuträglich  oder  schädlich  ist,  welchen
Ausartungen  er  am  leichtesten  unterliegen  könnte,  welche
Bildungsmittel  ihm  die  zuträglichsten  seyn  werden.
56.  §.  Und  von  den  Einsichten  des  Zöglinges  ab.
Mit  dem  allgemeinen  Ermuntern,  schöne  und  edle  Gefühle -
  in  sich  zu  nähren,  ist  wenig  geholfen,  wenn  der  Zogling
nicht  in  den  Stand  gesetzt  wird,  zu  beurtheilen,  welche
Gefühle,  und  in  welchem  Grade  jedes  Gefühl  schön  und
gut  genannt  werden  kann.  Eben  so  fruchtlos  ist  das  Warnen
vor  den  Ausartungen  der  Gefühle,  wenn  ich  den  Zögling
nicht  lehre,  worin  diese  Ausartungen  bestehen,  wodurch
sie  entstehen,  wie  und  durch  welche  Mittel  er  denselben
vorzubeugen  oder  abzuhelfen  vermag.  Diese  Belehrung -
  und  Warnung  wird  am  zweckmäßigsten  durch  Anführung -
  einzelner,  individueller  Fälle  ertheilet.
57.  §.  Die  zur  Selbstbildung  nothwendige  Belehrung
des  Zöglinges  muß  nach  der  Individualität  verschieden -
  seyn,
Diese  Belehrung  soll  keinesweges  dazu  dienen,  den
Zögling  mit  einer  vollständigen  philosophischen  Theorie,  mit
            
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