Volltext : Oken, Lorenz: Ueber den Werth der Naturgeschichte

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Wir  auf  den  Universitäten  können  es  den  Erziehungen  nicht
danken,  dass  sie  den  Zögling  nach  ungerichteter  Willkür
seine  Vorkenntnisse  wählen  lassen,  dass  sie  gewöhnlich  die
Naturwissenschaften  nur  schlaff  und  als  Nebensachen  behandeln, ¬
  wodurch  das  junge  Gemüth  den  hohen  Werth  derselben -
  sogar  verkennen  lernt;  wir  können  es  denen  nicht  danken,
die  uns  nur  Sprachorgane  liefern;  das  deutsche  Volk  kann
es  ihnen  nicht  danken,  denn  es  bedarf  Männer.  Uns  ist
zum  Wirken  erfoderlich  ein  Geist  mit  der  Einsicht  der  Nothwendigkeit -
  des  Realen,  ein  Gemüth  mit  der  Liebe  zur  Strenge
der  Naturwissenschaften,  ein  Eifer  für  die  gute  Sache,  gut,
weil  die  Natur,  weil  überwiegende  Völker  sie  uns  aufdrängen.
Aber  auch  mit  einem,  mit  Tausenden  von  Namen  beschwerten ¬
  Gedächtnifs  ist  uns  kein  Dienst  geleistet.  Die
wahre  naturhistorische  Bildung  besteht  nicht  in  einem  Register -
  von  Namen,  nicht  in  dem  Kennen  aller  Naturproducte,
weniger  als  in  dem  Wucher,  der  damit  kann  getrieben  werden; -
  sie  besteht  in  dem  Auffassen  der  Natur  als  ein  Ganzes,
in  dem  Ueberblick  des  Zusammenhanges  ihrer  Hauptorgane,
in  der  Erkenntnifs  ihrer  Beziehungen  zu  dem  Menschen,
zum  Staate,  wozu  freilich  die  Kenntnifs  aller  Charakterorgane, -
  die  Aufzählung  und  natürliche  Zusammenreihung  aller
Familien  der  Thiere,  Pllanzen  und  Mineralien  erfodert  wird;
aber  kleinliche  Zusammraffung  und  Spaltung  aller  Arten  von
Geschöpfen  mit  der  dadurch  nothwendigen  Vernachlässigung
ihres  innem  Baues,  der  Bedeutung  ihrer  eignen  Organisation
und  ihres  Stuffenverhältnisses  zu  andern  Familien  oder  Arten ¬
  ist  nicht  nur  nicht  erfoderlich,  sondern  selbst  für  den
Geist  der  Naturgeschichte,  und  für  die  allgemeine  Veredlung
            
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