Volltext : Oken, Lorenz: Ueber den Werth der Naturgeschichte

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Wissenschaften,  erkennten  wir  auch  nicht  durch  sie,  dass
sie  allein  den  Menschen  vollenden,  so  haben  wir  die  Erfahrung ¬
  vor  uns,  die  uns  schrecklich  aufgeweckt  hat.  Ein  Volk,
das  nicht  mit  der  Natur  zu  bestehen  weils,  das  sie  nur  anstutzen ¬
  oder  meistern  will,  kann  auch  nicht  vor  den  andern
Völkern  bestehen!  Wer  die  Natur  nicht  kennt,  kann  sie
nicht  besiegen;  Er  kennt  aber  auch  das  Wesen  und  die
Macht  der  sich  verstehenden  Völker  nicht.
O  möchten  doch  die  Deutschen  einmal  anfangen,  an
der  Wurzel  zu  pflanzen,  statt  dass  sie  nur  die  Aeste  eines
krummen  Stammes  dressiren  und  beschneiden!,  Möchten
sie  statt  des  Wortschwälls  Sachen,  statt  der  linkischen  Klug
heit  Thaten  vorzeigen,  statt  der  humanistischen  Bildung  zuvor ¬
  eine  Naturbildung  einführen!  Die  Blühte  kann  ohne
Stengel  nicht  entstehen!
Ein  guter,  edler,  kräftiger  Grund  ist  dazu  gelegt,  die
Bildung  aus  den  Alten,  in  der  die  Deutschen  übertreffen.
Ein  Barbar  mülste  der  sein,  der  diese  Methode  unterdrücken
wollte;  aber  wie  leicht  artet  sie  in  blose  Virtuosität  in  der
Wortmacherei  aus,  wie  gewöhnlich  wird  das  Studium  der
Alten,  durch  das  der  Sinn  für  jede  reale  Bildung  empfäng.
lich  gemacht  wird,  zu  einem  blosen  spitzfindigen,  sklavischen -
  Erlernen  der  todten  Sprachen,  an  deren  Buchstaben
man  klebt,  ohne  zu  der  tiefen  Darstellung  zu  dringen!
Was  man  auch  dagegen  gesagt  haben  mag,  die  Sprachen
sind  nur  Mittel  der  Bildung,  die  einzig  aus  der  Realität  hervorgeht, -
  von  der  die  Sprachen  nur  Bezeichnungen  sind.
            
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