Volltext : Oken, Lorenz: Ueber den Werth der Naturgeschichte

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bei  den  Ausländern  wegen  des  Ebenmaasses  der  Bildung  nicht
vorhanden  ist.  Zur  Einheit  eines  Volkes  gehört  nur  Verstehen ¬
  der  Höheren,  gleichviel,  ob  diese  näher  der  Menge, -
  oder  diese  näher  den  Unterrichteten  steht.  Bei  den  Ausländern ¬
  sei  jenes,  bei  uns  aber  ist  keines  der  Fall.  Die  Höhern ¬
  sind  den  Niedern  vorgeeilt,  zwei  Einsichten  haben  sich
gebildet,  sind  sich  fremd  geworden,  das  Zusammenwirken
fehlt,  Misslingen  ist  überall  und  Mangel  an  Geschick,  hier
Stumpfheit,  dort  Dünkel.  Daher  kömmt  es,  dass  der
Deutsche  nicht  achtet  und  anerkennt  das,  was  ein  Deutscher
geleistet,  dass  er  nur  die  Ausländer  bestaunt  und  sie  nachahmt.
Dieses  zollt  er  blos  ihrer  Harmonie,  blos  ihrer  Bildungsart,
die  auch  die  Menge  öffnet  für  den  Bildungsgrad  der  Höhern.
Aus  dieser  Entfernung  der  zwei  Volksklassen  gehen  alle
unsere  Uebel  hervor.  Es  ist  rühmlich  das  Streben  der  untern ¬
  Stände  nach  höherer  Ausbildung,  aber  für  sie  ist  keine
Mittelstuffe  vorhanden.  Sie  können  nur  durch  einen  Salto
mortale  zur  höhern  Bildung  kommen,  und  dann  treiben  sie
sich  in  einer  fremden  Welt  umher,  in  der  sie  so  wenig  zum
Verstande  kommen,  als  die  höhern  sich  herabzulassen  Verstand ¬
  haben.  Alles  vereinzelt  sich  und  tritt  aus  seinem  Gleise.
Die  Bildung  vermag  nicht,  sich  über  das  Individuum  hinauszuschwingen, ¬
  die  Klugkeit  dient  nur  zum  Gewinnen,  für
Gemeingeist  kömmt  Eigennutz,  für  Ehrlichkeit  verbissene
Wuth,  für  Ehre  das  Behaupten,  sei  es  auch  der  niedrigsten,
Existenz.  Braucht  es  mehr  als  zu  sehen,  wie  die  ersten
Stützen  des  Staates  ganz  ihren  Orient  verloren  haben!  Der
Gelehrte  treibt  die  Wissenschaft  um  Taglohn,  der  Geistliche
wird  bürgerlich,  der  Adel  verbaurt!  Alles  aus  der,  bereits
gerissenen,  Spannung  unserer  Bildung.
            
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