Full text : Oken, Lorenz: Ueber den Werth der Naturgeschichte

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von  beiden  erfüllt  ist.  Unsere  religiösen,  unsere  sittlichen,
unsere  rechtlichen  Verhältnisse  sind  wie  die  der  Kunst  schon
vorgezeichnet  in  den  himmlischen  Gesetzen  der  Natur,  sind
nur  klar  zu  entwickeln  durch  die  Philosophie  der  Natur,
und  sind  ohne  diese  ein  bloses  Hirngespinnst,  eine  blose
Geisterseherei.
Wer  nicht  zu  einer  innigen,  tiefen  Andacht  in  der  Religion ¬
  und  Kunst,  zu  einer  hellen  Einsicht  in  der  Sittlichkeit,
dem  Rechte,  dem  Heroismus,  zu  einer  göttlichen  Beruhigung
über  das  Problem  der  Welt  gekommen  ist,  der  ist  nicht  Naturphilosoph. ¬
  Dahin  strebt  aber  jeder  Gelehrte,  ja  es  ist  das
Wesen  des  Gelehrten,  die  Welt  und  den  Geist  zu  durchschauen, ¬
  ohne  welches  alle  Bildung  vergebens  ist.  Dahin
kommt  man  aber  nicht  durch  Handwerkswissenschaften,
nicht  durch  Brodwissenschaften,  sondern  nur  durch  die  reine,
volle  Wissenschaft,  die  alles  lehrt,  was  in  ihren  Umfang
gehört,  ohne  niedrige  Absicht.
Wer  aber  die  ganze  Wissenschaft  besitzt,  der  besitzt
auch  die  einzelnen  und  auch  die  Brodwissenschaften,  dagegen ¬
  weils  er  diese  nicht  ohne  jene.  Wer  die  Botanik  weifs,
weils  auch  die  medicinische  Botanik,  und  die  Forstbotanik,
und  die  ökonomische  Botanik;  und  zwar  weiſs  sie  dieser  allein, ¬
  weil  er  sie  in  sich  selbst  erzeugt  hat,  während  der  andre, ¬
  der  nur  sie  weils,  sie  nur  auswendig  wie  ein  Kind  gelernt ¬
  hat.  So  ist  es  mit  der  Mineralogie,  so  mit  der  Zoologie.
Die  Bildung  des  Studierten,  der  ohne  Zweifel  mit  dem  Gelehrten -
  identisch  ist,  ist  eine  ganze,  keine  stückweise,  sie
ist  ein  Meisterstück,  kein  Taglöhnerstück.
            
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