Volltext : Oken, Lorenz: Ueber den Werth der Naturgeschichte

Ich  überlasse  es  andern,  über  den  Handwerksnutzen  der
Naturgeschichte  weitläufig  zu  reden,  und  die  Thiere  und
Pflanzen  namentlich  aufzuzählen,  die  uns  Geld  bringen,  und
wende  mich  zu  dem  höhern  Nutzen.
Die  Rückkehr  der  Philosophie  auf  den  Gegenstand,  mit
dem  sie  sich  im  grauesten  Alterthum  beschäftigt  hat,  nehm
lich  auf  die  Natur,  ist  eine  Eroberung  der  neuesten  Zeit,
welche  uns  dasselbe  glückliche  Zeitalter  für  die  Wissenschaf
ten  wieder  verspricht,  das  ihnen  geblüht  hat,  ehe  kenntnisslose ¬
  Sophistik  und  spitzfindige  Scholastik  die  Naturwissenschaften -
  verdrängten.  Kaum  war  aber  der  Sinn  für  das
philosophische  Naturstudium  wieder  geweckt,  so  bemächtigte -
  sich,  wie  bei  allen  neuen,  versprechenden  Aussichten,
ein  kenntnifsleerer  Schwarm  des  Wortes,  sprudelte  Formeln
und  leere,  barocke  Einfälle  über  die  Natur  her,  und  wenig
hätte  gefehlt,  so  hätte  diese  kaum  erweckte  Wissenschaft
wieder  wegen  des  Unfugs,  den  ihre  unwissenden  Anhänger -
  mit  ihr  trieben,  in  den  alten  Schlummer  zurücksinken ¬
  müssen;  so  abgeschreckt  war  der  kenntnifsreiche  Theil
der  Gelehrten,  und  so  schlecht  haben  jene  die  Sache  der
Naturphilosophie  dargestellt,  dass  sie  vielmehr  gerade  das
dargestellt  haben,  was  nicht  Naturphilosophie  ist:
Diese  Zeiten  sind  vorüber!  Mit  leeren  Formeln,  hochtrabenden -
  Phrasen,  barocken  Worten  und  mangelnden  Sachen ¬
  macht  man  sein  Glück  nicht  mehr  in  Deutschland.  In
andern  Ländérn  mögen  sie  nun  ihr  Heil  versuchen.  Die
Naturphilosophie  hat  eine  Wendung  genommen,  die  durchaus -
  real  ist,  die  nur  fortgeführt  werden  kann  durch  einen
reichen  Schatz  von  umfassenden  Naturkenntnissen.  Die
            
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