Volltext : Oken, Lorenz: Ueber den Werth der Naturgeschichte

der  ihnen  brauchbare  Theil  beschränkt,  so  ist  leicht  abzusehen, ¬
  dass  dieses  Wucherstudium  dahin  führen  wird,  dass
gar  niemand  mehr  die  gesammte-Wissenschaft  cultivirt.
Durch  das  Vereinzeln  der  Naturgeschichte  und  ihr  Anwenden ¬
  auf  den  Wucher  wird  aber  nicht  nur  der  Geist  der
Wissenschaft  zerstört,  sondern  auch  die  einzelnen,  abgelösten -
  handwerklichen  Zweige  gehen  in  sich  zu  Grunde.
Wie  kann  in  einer  medicinischen  Botanik  das  System  gelehrt
werden,  wenn  man  nicht  unverstanden  bleiben  will?
Wie
ist  eine  ökonomische,  oder  eine  Jagdzoologie  zu  lehren,  da
der  gröfste  Theil  der  Thiere,  die  zur  Erbauung  des  Systems
durchaus  nöthig  sind,  weder  in  der  Wirthschaft  noch
im  Jagdgebiete  vorkommen?  Diese  afterwissenschaftlichen
Zweige  zerfallen  daher,  und  lösen  sich  zuletzt  in  ein  sinnloses ¬
  Aufzählen,  Beschreiben  und  Namengeben  der  Thiere  auf.
Ich  bin  jedoch  weit  entfernt,  diese  einzelnen  Ausarbeitungen ¬
  der  Naturgeschichte,  und  ihre  Anwendung  auf  Handwerke -
  und  die  Landwirthschaft  u.  s.  w.  als  untauglich  oder
gar  als  schädlich  zu  verwerfen;  ich  halte  sie  vielmehr  für
erspriefslich  und  für  nothwendig,  aber  nicht  in  der  Form,
in  der  sie  jetzt  betrieben  werden.  Sie  müssen  sich  nie  zu
selbstständigen  Wissenschaften  ausbilden  wollen,  müssen  immer ¬
  sich  auf  die  allgemeine  Wissenschaft  beziehen,  von  der
sie  nur  Zweige  sind,  müssen  nie  gelehrt  werden,  ohne  dass
die  allgemeine  Wissenschaft  vorausgegangen  ist,  wenn  man
nicht  das  junge  Gemüth  verkehren,  und  die  wahre  Schätzung
der  Wissenschaft  aus  dem  ganzen  Volke  austilgen  will.
Aber  verderblich  halte  ich  diese  vereinzelten  Zweige
            
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