Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

(o)
sechs  Koyen  sechs  Fuß  lang  die  Länge  zu  einem  Zimmer  39.  Fuß  /  welche  nicht  grösser  seyn
darff  /  wenn  die  Wäͤrme  von  einem  Ofen  wohl  durchreichen  soll.  Gebe  ich  nun  zu  der  Höhe
einer  Koye  nur  3  ½/2  Fuß  /  damit  ein  Mensch  darinnen  sitzen  /  und  bequem  aus  und  einsteigen
koͤnne  /  so  koͤnnen  wir  dreymahl  Koyen  üͤber  einander  bekommen  /  die  braͤchten  uns  aber  nur
vor  18.  Mann  Lager=Stätten.  Darum  müssen  noch  nothwendig  drey  Schlaff=Bäncke  in
das  Zimmer  gesetzet  werden  /  in  derer  jeglichen  zwey  Mann  liegen  können.  Es  wäre  zwar
noch  ein  Mittel  die  Schlaff=Bäͤncke  zu  vermeiden  /  wenn  man  die  oberste  Reyhe  der  Koyen
nicht  laͤngs  uͤber  die  untern  setzete/  sondern  der  queer/  und  liesse  sie  uͤber  den  Gang  durch  die
Mauer  hinaus  gehen  /  da  denn  im  Gang  noch  7.  Fuß  hoch  blieben  /  darunter  wegzugehen  /
und  uͤber  jeder  untern  Koye  oben  zwey  zu  stehen  kommen.  Aber  drey  Inconvenientien  sind
dabey.  Erstlich  ziehet  sich  der  Dunst  aus  dem  gantzen  Zimmer  in  diese  Koyen  noch  sehrer  hinein =
  /  als  wenn  sie  in  die  Länge  liegen  wie  die  andern  darunter  /  welches  doch  bey  hart  gewöhneten =
  Leuten  nicht  viel  zu  sagen  haͤtte.  Zum  andern  hat  man  dabey  uͤber  die  gar  geringe  Unbequemlichkeit ¬
  /  daß  man  durch  Leitere  hinauf  steigen  muß  /  noch  diese  fast  grossere  /  daß  man
zu  Füssen  hinein  kriechen  muß  /  doch  liesse  sich  dieses  auch  bald  gewohnen.  Das  grösseste  Beschwernuß =
  aber  wäͤre  dabey  /  daß  der  lange  Gang  /  der  ohne  dem  nicht  als  zur  höchsten  Nothdurfft =
  Licht  bekommen  kan  /  dadurch  noch  dunckeler  gemachet  wuͤrde.
Jndessen  sehe  ich  nicht
wie  man  andere  und  bessere  Mittel  /  dieser  Sache  zu  rathen  /  ausfinden  möge  /  als  die  hier  beschriebenen. =

Mit  den  Treppen  bekommen  wir  endlich  auch  zu  thun  /  weil  sie  raumlich  seyn  solten  /
weil  in  einem  Hause  /  da  so  viele  Menschen  enge  beysammen  wohnen  /  nothwendig  viel  Lauffens =
  auf  den  Treppen  seyn  muß.  Aber  in  einem  so  engen  Gebäude  gar  grosse  weite  Treppen
anlegen  wollen  /  hat  auch  viel  Schwürigkeit.  Darum  gewißlich  die  doppelten  /  und  gar  die
vierfachen  Treppen  /  welche  unter  einander  umlauffen  /  sich  zu  diesem  Fall  am  allerbesten  schicken. =
  In  gegenwärtigen  Exempel  habe  ich  mitten  in  die  16.  Fuß  breite  Queer=Gänge
runde  31.  Fuß  breite  Treppen  /  um  eine  fünff  Fuß  im  Diametro  haltende  hohle  Spindel
geleget  /  daß  also  ihr  gantzer  Diameter  12.  Fuß  ausmachet  in  Lichten.  Die  Stuffen  können
wir  nicht  höher  als  7.  Zoll  machen  /  weil  doch  auch  die  Officier  über  diese  Treppe  paßiren  /
und  sie  deßwegen  nicht  allzu  incommode  seyn  müssen  /  die  Breite  mitten  auf  den  Stuffen  soll
billich  auch  nicht  weniger  als  9.  Zoll  betragen.  Der  Diameter  aber  des  Mittels  der  Stuffen
hält  81.  Fuß  oder  100.  Zoll  /  thut  nach  Archimedis  Proportion  7.  gegen  22.  der  Umkreiß
31.  oder  32.  Stuffen.  Die  Höhe  des  Geschosses  11  ½  Fuß  oder  137½  Zoll  erfordert  19.
Stuffen  biß  20.  Wenn  ich  derowegen  19.  Stuffen  auf  die  Höhe  rechne  und  32.  auf  einen
Umkreiß  der  Treppe  /  so  muß  ich  noch  6.  Stuffen  von  dem  zweyten  Umkreiß  nehmen  /  damit
ich  gar  auf  den  zweyten  Stock  damit  gelange.  Wollen  wir  nun  wissen  wie  vielfach  diese  T
pe  unter  einander  umlauffen  könne  /  so  muß  ich  wissen  /  wie  viel  Fuß  hoch  ihr  gantzer  Umkreiß
erlange.  Jn  so  viel  Höhen  ich  nun  dieselbe  eintheilen  kan  /  darunter  der  gröste  Mann  hingehen =
  kan  /  das  ist  in  so  vielmahl  6.  Rheinländische  Fuß  /  so  viel  Treppen  kan  ich  unter  einander
legen.  Rechne  derowegen  38.  Stuffen  /  bringen  23.  Fuß  Höhe  /  was  bringen  32.  Stuffen?
facit  1911.  Fuß  /  also  kan  ich  hier  drey  Treppen  unter  einander  umführen  /  so  aber  keine  Ruhe=Plätze =
  /  und  also  auch  keinen  bequemen  Außtritt  bekommen.  Muß  derowegen  diese  Treppe
nicht  mehr  als  doppelt  angeleget  werden/  so  wird  sie  voͤllig  bequem.
Weil  diese  Außrechnung  der  vielfachen  Treppen  /  welche  vor  ein  grosses  Kunst=Stück
der  Architectur  billich  gehalten  wird  /  und  sie  weder  von  mir  /  noch  weniger  von  andern
Auctoribus  außführlich  ist  abgehandelt  worden  /  wird  es  dem  Leser  nicht  unangenehm  seyn
wenn  ich  noch  eine  Rechnung  auf  die  Frage  anstelle  /  wie  groß  der  Diameter  einer  solchen
Wendel=Treppe  werden  /  wenn  sie  solte  4.  Fuß  breit  werden  /  damit  zwey  Personen  so  zusammen =
  kommen  /  gemächlich  und  hurtig  einander  vorbey  gehen  können  /  und  vierfach  unter
einander  herum  gehen  /  auch  drittens  vier  Ruhe=Plätze  haben  soll  /  damit  überall  der  Eintritt =
  und  Außtritt  gemächlich  falle.  Darauf  ist  nun  die  Antwort  /  daß  denn  ein  vierter
Theil  des  Umkreises  19.  Stuffen  /  und  noch  drey  Stuffen=Breiten  vor  einen  Außtritt  haben =
  müsse  /  damit  man  dadurch  auf  ein  Geschoß  komme  /  und  also  auf  dem  gantzen  Umkreiß
der  Treppen  88.  Stuffen  oder  792.  Zoll  müssen  gerechnet  werden.  Wird  also  der  Diameter -
  der  Treppe  von  einer  Mitte  der  Stuffen  biß  zu  der  andern  /  vermöge  der  Archimedischen
Proportion  22.  gegen  7.  252.  Zoll  oder  21.  Fuß  /  und  also  der  gantzen  Treppe  in  Lichten  25.
Fuß  /  folgends  der  Diameter  der  Spindel  17.  Fuß  betragen.  Folglich  müssen  die  QueerGänge =
  in  unserm  Gebäude  dreyßig  Fuß  breit  /  und  also  das  gantze  Gebäude  um  28.  Fuß
länger  werden  /  so  könte  man  auch  /  welches  billich  seyn  soll  /  in  jedem  Geschoß  rings  um  die
Treppe  herum  gehen  /  und  würden  auch  die  langen  Gänge  fein  helle  /  in  Summa  das  gantze
Gebäude  vortrefflich  bequem  werden.  Mehr  von  dieser  Materia  zu  handeln  /  wird  niemand
mit  Recht  verlangen.
Das
            
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