Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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gesonderten  Platz  /  insonderheit  die  Giesserey  /  und  am  meisten  die  Pulver=Hütten  /  welche  an
sich  selbst  stets  in  grosser  Gefahr  sind  /  daß  man  billich  ihre  eigene  Gebäude  raumlich  von
einander  sondern  solle  /  damit  wenn  ja  eines  aufffliegen  solte  /  die  übrigen  nicht  mitgenommen =
  werden.
Die  Giesserey  ist  dreyerley  /  erstlich  wo  man  von  Metall  Canonen  /  Feuer=Mörser  und
Petarden  giesset  /  hernach  wo  man  von  Eisen  Canonen  /  Canon=Kugeln  /  Bomben  und  Granaten =
  /  auch  manchesmahl  Lavetten  zu  Feld=Stücken  und  Mörsern  giesset  /  drittens  wo  man
die  Musqueten=Kugeln  giesset.  Zu  der  Metall=Giesserey  gehöret  nicht  nur  an  sich  selbst  ein
ziemlicher  Raum  /  sondern  es  wurden  auch  raumliche  Oerter  erfordert  da  die  Formen  zu  den
Stücken  gemachet  /  und  wo  die  neu=gegossene  außgebohret  /  und  am  Guß  nachgearbeitet  werden. =
  Wo  auch  viel  gegossen  wird  /  verlohnet  sichs  der  Mühe  /  daß  die  Bröckgen  Metall  /  welche =
  sich  unter  die  Erde  theils  bey  dem  Guß  /  theils  bey  dem  bohren  und  außmeisseln  verliehren  /
wieder  sammle  durch  Stampffen  und  Wasser  von  der  Erde  absondere  /  und  in  kleinen  Ofen
wiederum  rein  zusammen  schmeltze.
Ein  Zimmer=Hof  /  zu  dem  auch  die  Tischlerey  oder  Schreinerey  /  und  die  Stell=  oder
Rademacherey  gerechnet  wird  /  hat  auch  viel  bey  der  Artollerie  zu  thun.  Weil  Goldmann
in  dem  Capittel  von  dem  Zeughause  etwas  davon  gesetzet  /  muß  ich  seinen  Text  doch  nicht
vorbey  gehen.
Boldmann  von  dem  Zimmer=Hof.
Lib.  IV.  c.  II.
Zu  dem  Zeughause  rechnen  wir  auch  den  Zimmer=Hof  /  da  man  aller
hand  Bau=Holtz  und  hoͤltzene  Geruͤste  und  Gespaͤrre  zimmert/  und  in  Vorrath
hat.  In  diesen  sollen  um  und  um  Gewoͤlbe  seyn  /  welche  beyderseits  Fenster
haben/  und  an  den  Fenstern  sollen  Plaͤtze  abgemessen  seyn/  mit  Zahlen  verzeichnet ¬
  /  damit  die  Auffseher  alle  Stunden  herumgehende  /  zu  den  Fenstern
hinein  sehen  koͤnnen/  welche  Zimmerleute  da  gewesen  seyn/  oder  welche  man
vermisset  hat/  und  also  jedem  einen  Strich  angeschrieben  /  daß  man  sie  vor  die
Arbeit  besolde  /  und  ihnen  vor  die  Nachläßigkeit  abziehen  köͤnne.  Es  soll
dergieichen  Bau  bey  dem  Wasser  liegen  /  damit  man  auf  Floͤssen  das  Bau=Holtzzufuͤhre/ =
  und  sollen  Krahne  und  andere  Hebezeug  am  Wasser  seyn  /  damit
man  das  Holtz  außlade  /  oder  Abfahrten  /  welche  so  tieff  durch  das  Ufer  abehängen  /  daß
das  Wasser  aus  dem  Strohm  über  ein  gutes  Theil  derselben  übergehen  /  damit  die  Höltzer  eines =
  Theils  hinein  geflösset  /  und  hernach  vollends  mit  Pferden  aus  dem  Wasser  geschleppet
werden.  Damit  aber  diese  Abfahrten  nicht  vom  Wasser  weich  gemachet/  und  von  den  Pferden =
  tieff  eingetretten  werden  /  muß  man  sie  mit  Bruck=Höltzern  oder  Stein=Pflaster  überlegen. =
  Inwendig  muͤssen  Schopffen  seyn  /  darunter  die  Höͤltzer  in  Trockenen
liegen  mogen.
Weil  ich  in  dem  Prodromo  zu  der  Goldmannischen  Architectur  außführlich  von  dem
Zimmer=Hof  gehandelt  habe  /  mag  ich  hier  weiter  nichts  davon  sagen.
Die  Schmiede  begreiffet  vielerley  Handwercke  in  sich  /  als  da  sind  über  die  Grobschmiede =
  /  auch  die  Kleinschmid  /  welche  das  Lavetten=Beschläg  machen;  andere  /  welche  Rohre  zu
Musqueten  und  andern  Hand=Geschoß  schmieden;  wiederum  andere  /  welche  sie  rein  außbohren; =
  andere  welche  die  Feuer=  oder  Flinten=Schlösser  samt  dem  übrigen  zum  Geschoß  gehörigen =
  Beschläg  verfertigen;  andere  welche  Degen=Klingen  schmieden.  Die  Grobschmiede  haben =
  auch  wohl  einen  Hammer  /  der  von  dem  Wasser  getrieben  wird  /  und  die  Büchsenschmied
wohl  ein  von  dem  Wasser  getriebenes  Bohr=Schleiff=  und  Polier=Werck  nöthig  /  welches
auch  zu  den  Degen=Klingen  zugleich  mit  erfordert  wird.
Die  Seyl=Spinnerey  kan  wohl  hinweg  gelassen  werden  /  wenn  der  Staat  und  die
Consumtion  der  Artollerie  nicht  gar  zu  important  ist  /  weil  man  nicht  allein  bey  dem  Werck  /
wie  auch  bey  dem  Pech  und  Theer  /  welches  die  Seyler  zugleich  zu  haben  pflegen  /  nicht  wenig
Feuers=Gefahr  hat  /  sondern  auch  ein  sehr  langes  Gebäude  vor  sie  auffrichten  und  unterhalten =
  muß/  darunter  sie  ihre  Tauen  im  Trockenen  machen  koͤnnen.  Wo  aber  das  Laboratorium ¬
  zugleich  zur  Schiffahrt  dienen  soll  /  muß  die  Conderi  oder  Tau=Spinnerey  nothwendig =
  dabey  /  und  von  1200.  biß  1500.  Fuß  angeleget  seyn.
Die  Pulver=Hütten  begreiffen  auch  unterschiedene  Gebäude  /  als  die  Salpeter=Siederey =
  /  die  Pulver=Mühle  /  das  Hauß  wo  das  Pulver  getrocknet  /  und  ein  anders  /  wo  es  gekörnet =
  wird  /  endlich  auch  /  wo  die  Feuerwercker  ihre  Arbeit  zu  Ernst=  und  Lust=Feuern  zu  machen =
  pflegen  /  welches  insonderheit  gar  gewöhnlich  durch  den  Nahmen  eines  Laboratorii  in
specie  angedeutet  wird.
Ausser  diesen  Gebäuden  wird  noch  ein  wohl  verwahrtes  Magazyn  erfordert  /  allda  alle
Materialien  in  Quantität  und  ordentlicher  Sortirung  zusammen  gesammlet  und  bewahret
werden.
            
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